Apostelgeschichte 9,4
Und er fiel auf die Erde und hörte eine Stimme, die sprach zu ihm: Saul, Saul, was verfolgst du mich? Apostelgeschichte 9,4
Die Bekehrung des Paulus vor den Toren von Damaskus ist ein absoluter Höhepunkt. Saulus, später Paulus, wird durch ein Licht aus dem Himmel zu Boden geworfen und dann folgt dieser Satz, der ihm wie der Lauf eines Gewehrs ins Gesicht gehalten wird.
Ich glaube, als Christen lieben wir diese Szene aus zwei Gründen. Erstens: Endlich sind wir einmal nicht gemeint. Da spricht Gott direkt zu einem, der wirklich ein Christenhasser ist, und stellt klar, wer hier Recht hat. Das tut gut. Zweitens: Na bitte, es geht doch auch ohne menschliche Hilfe, dass Gott jemandem „das Licht anknipst“. Das wünschte ich mir öfter. Dann würden wir den Missionsauftrag nur noch dadurch erfüllen müssen, dass diese Menschen „blind“ in unsere Gemeinden hereintaumeln und wir den „technischen Rest“ übernehmen: Unterweisung und Taufe.
Zum ersten Gedanken: Sind wir wirklich nicht gemeint? Ist nicht der Grund, warum wir die Geschichte der Umkehr des Paulus so detailliert geschildert bekommen, der, dass auch wir immer wieder diese Umkehr praktizieren müssen? Dass wir auch zu oft heftig engagierte Idealisten sind, die gar nicht mehr das machen, was Gott von uns will? Die Frage „Was verfolgst du mich?“ müsste man heute übersetzen mit: „Was machst du da eigentlich?“ Die Frage wird auch mir immer wieder gestellt. Ich höre sie in dem Bibeltext, den ich lese und der mich zum Nachdenken bringt; in der Predigt, die mich berührt; im Gespräch mit Freunden, die mich kritisieren oder in meiner Familie, wenn sie mir zeigt, wo meine Fehler und Grenzen sind. Das ist dann auch wie ein Licht aus dem Himmel und Gott fragt mich: „Was machst du da eigentlich?“
Zum zweiten Gedanken: Häufig entscheidet sich Gott doch dazu, Menschen durch andere Menschen zu erreichen. Das hat dann eine andere Dynamik. Da fällt niemand geblendet zu Boden und es ertönt auch keine Stimme aus dem Himmel. Aber durch das Zeugnis meines Glaubens, das ich in aller Stille und Bescheidenheit, in Unzulänglichkeit, Schwäche und manchmal sogar im Versagen abzugeben in der Lage bin, kann das Wunder der Umkehr genauso geschehen wie bei Paulus. Das Resultat kann dasselbe sein: Ein Mensch wird zum Nachfolger, weil ich überzeugt nachgefolgt bin.
Wenn du das erlebt hast oder erleben darfst, wirst du wissen: Es ist noch schöner, mittendrin und aktiv beteiligt gewesen zu sein, als nur zuzusehen wie bei einem Film.
Dennis Meier / © Advent-Verlag Lüneburg – mit freundlicher Genehmigung

