Friday, July 30, 2010

Galater 5,1

Januar 1, 2009 von ALT  
Gespeichert unter Andacht

Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen! Galater 5,1
Für mich ist der 1. Januar immer ein ganz besonderer Tag – es ist fast so, als läge auf diesem Tag ein Zauber, der Zauber des Neubeginns. Ein neues Jahr liegt vor mir, diesmal 365 unbeschriebene Kalenderblätter, in denen alle Möglichkeiten des Lebens verborgen sein können. Wird es ein gutes Jahr werden? Oder ein ganz durchschnittliches Jahr, in dem es nichts Aufregendes zu berichten gibt? Oder werden irgendwelche Dunkelheiten über mich hereinbrechen?
Unter das vergangene Jahr haben wir in der letzten Nacht einen Schlussstrich gezogen – wir haben zurückgeschaut. Jetzt schauen wir nach vorne. Die Zukunft liegt offen vor mir und ich kann neu anfangen.
Es mag Menschen geben, die mir an diesem Punkt heftig widersprechen. Menschen, deren Arbeitsplatz in Gefahr ist, die durch eine schwere Krankheit ans Bett gefesselt sind, die ihren Ehepartner verloren haben und deren Lebensgefühl eher vom Ende geprägt ist als vom Neuanfang. Aber ob etwas neu anfangen kann, liegt auch an mir. Ich kann eine Zumutung als Herausforderung verstehen, ein Problem als Anfrage an meine Kreativität und vielleicht sogar den Tod als eine Nagelprobe meines Glaubens.
Es war wohl in den 70er-Jahren, als Janis Joplin ihr Lied von „Me and Bobby McGee“ sang. Im Refrain dieses Liedes heißt es übersetzt: „Freiheit ist nur ein anderes Wort dafür, dass du nichts mehr zu verlieren hast.“ Solange ich Angst davor habe, etwas zu verlieren, bin ich nicht frei, denn dann werde ich alles dafür tun, dass ich es behalten kann, und dazu muss ich es festhalten. Hände aber, die festhalten, sind nicht mehr offen, in sie kann nichts Neues hineingelegt werden. Die Versuchung ist groß, etwas festzuhalten: Geld, Macht, Besitz, einen Menschen – oder auch meine Vorstellung vom Leben.
Was aber, wenn diese Wünsche durchkreuzt werden? Wenn mir genommen wird, was ich eigentlich gerne festgehalten hätte? Wenn ich nichts mehr festhalte, dann kann ich nur noch gewinnen, und dann kann Gott mir alles in meine Hände legen, was er für mich vorbereitet hat.
Vielleicht könnte damit das neue Jahr gut anfangen. Es kommt auf den Blickwinkel an und ich verstehe es als Herausforderung. Es gibt unsagbar viel zu gewinnen, wenn ich mich ganz offen auf diese 365 Tage einlasse, und sie getrost unter Gottes Führung und Schutz stelle. 2008 – ich habe eigentlich nichts zu verlieren, aber unsagbar viel zu gewinnen.

Beate Strobel / © Advent-Verlag Lüneburg – mit freundlicher Genehmigung

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