Prediger 3,1
Für alles gibt es eine bestimmte Stunde. Und für jedes Vorhaben unter dem Himmel gibt es eine Zeit. Prediger 3,1 (Elberfelder Bibel)
Von manchen Erkrankungen behauptet der Volksmund: „Wenn du zum Arzt gehst, dauern sie 14 Tage, wenn du nicht hingehst, zwei Wochen!“ Die Botschaft ist deutlich: Du kannst machen, was du willst, es braucht eben seine Zeit, eine Erkältung auszukurieren. Das Problem ist nur, in einer Leistungsgesellschaft wie der unseren haben wir nicht die Zeit, eine Krankheit heilen zu lassen. Oder nehmen wir sie uns nur nicht? Wir leben in einer Zeit, in der sich alles mehr und mehr beschleunigt. Da bleibt für scheinbar unnütze Dinge einfach keine Zeit. Wir müssen die Zeit des Lebens optimal nutzen, ob beruflich oder privat. Manchmal scheint es so, als wollten wir zwei Leben in eins packen, um so unser Lebenspensum zu verdoppeln. Wahrscheinlich aus dem unterschwelligen Gefühl heraus, das Entscheidende verpasst zu haben, bevor wir sterben.
Die Bibel ermutigt uns, im Blick auf die Zeit auf ein vernünftiges Gleichgewicht zu achten. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von einer „Arbeits-Lebens-Balance“, denn eine Gesellschaft, die keine Zeit hat, lebt nicht wirklich.
Wir brauchen Ausgewogenheit im Leben: Zeit fürs Ausreißen und fürs Pflanzen, Zeit zum Weinen und zum Lachen, Zeit für Nähe und Distanz (V. 2-8). Wir brauchen Zeiten des Nichtstuns, Zeit zur Ruhe, Zeit zum Denken, fürs Lachen und Tanzen, Zeit zum Warten und Zeit, die Gaben und Fähigkeiten zu entwickeln, die Gott uns gegeben hat.
Der Titel eines Buches über Zeitmanagement lautet: „Wenn du es eilig hast, gehe langsam.“ Das ist die Empfehlung, den natürlichen Lebensrhythmus neu zu entdecken und uns die Zeit zu lassen oder sie bewusst zu nehmen, die für die verschiedenen Aktivitäten und die Ausgewogenheit in unserem Leben notwendig ist. Es bedeutet auch, unsere Zeitwahrnehmung zu verändern. Denn nicht die Zeit vergeht schneller oder langsamer, sondern unsere innere Wahrnehmung von Zeit ändert sich. Und es geht darum, bestimmte Zeitzeichen zu setzen, manchmal auch gegen den Beschleunigungswahn in der Gesellschaft. Statt nur zu sagen: „Sitz nicht einfach so da; tu etwas“, sollten wir fordern: „Tu nicht einfach irgend etwas, sitz doch einfach nur mal da!“ Ja, wirklich, alles hat seine Zeit.
Roland Nickel / © Advent-Verlag Lüneburg – mit freundlicher Genehmigung

