10. Februar 2012

1. Mose 39,2-4a

Josef wurde in seinem Haus beschäftigt. Gott aber half ihm, sodass ihm alles glückte, was er tat. Weil der Ägypter sah, dass Gott Josef beistand und ihm alles gelingen ließ, fand Josef seine Gunst. 1. Mose 39,2-4a (Gute Nachricht Bibel)
Josef erlebt gerade den tiefsten Punkt seines Lebens. Von seinen Brüdern gehasst, dem Tode soeben entronnen, als Sklave verkauft und weiterverkauft an einen ägyptischen Hofbeamten – Endstation für einen jungen Mann aus gutem Hause. Eben noch von der Dienerschaft im Elternhaus umgeben, jetzt ein Neuzugang unter dem Personal Potifars. Erst einmal wird er im Haus beschäftigt, mal sehen, wie er sich macht.
Aber das Grübeln und Trübsal blasen ist nicht Josefs Ding. Er packt an, macht sich nützlich und merkt, dass handfeste Arbeit über Manches hinweghilft und, wenn sie gut gelingt, auch Freude bereitet. Ob seine Kollegen ihm den Einstieg in die ungewohnte Arbeitswelt erleichtert haben, ist nicht berichtet.
Und da ist jemand, der mitgegangen ist in den Tiefpunkt seines Lebens hinein, der ihn nicht eine Stunde aus den Augen gelassen hat: „Gott aber half Josef, sodass ihm alles glückte, was er tat.“ Der Erste, der das merkte, war wohl Josef selbst. Wie wichtig war es für ihn, zu spüren: Gott hat mich nicht abgeschrieben, er lässt mich nicht im Stich. Wenn er zuerst gefragt haben mochte: „Warum lässt Gott das zu?“, fühlt er sich jetzt durch die Nähe Gottes ermutigt und beflügelt. Das hat eine neue Grundstimmung in seinen Alltag und seine Arbeit hineingebracht. Das fiel Potifar auf. Der fremde Sklave war wirklich ein Glücksgriff. Dem konnte man bald Haus und Hof anvertrauen und zuschauen, wie sich Besitz und Wohlstand mehrten.
Eine Geschichte, die Kinder und Erwachsene immer wieder begeistern kann. Aber mehr noch eine Geschichte, die in unser Leben hineingehört, wenn wir ganz unten sind, uns verkauft vorkommen, fremdbestimmt und an den Rand gedrängt. Josef hat in seinem bescheidenen Lebensumfeld erst einmal Hand angelegt, aufgeräumt, sich nicht hängenlassen.
Wer das tut, spürt bald, dass auch Gott ihn nicht hängenlässt. Da mag noch manches auf und ab gehen wie bei Josef: Vom Hausdiener zum Gutsverwalter, vom Inhaftierten zum stellvertretenden Direktor der Strafanstalt, und schließlich die Berufung zum Vizekönig. Da waren Mobilität und Flexibilität gefragt. Aber mehr noch bewundere ich Josefs Treue Gott und Menschen gegenüber, in allen Wechselfällen des Lebens. Das kann schon begeistern und Ansporn sein!

Johannes Fiedler / © Advent-Verlag Lüneburg – mit freundlicher Genehmigung

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