9. Februar 2012

Lukas 18,18

Und es fragte ihn ein Oberer und sprach: Guter Meister, was muss ich tun, damit ich das ewige Leben ererbe? Lukas 18,18
Fast unmittelbar hintereinander berichtet der Evangelist Lukas von zwei reichen Männern, die Jesus begegnen. Beide sind Obere in ihrer jeweiligen Position. Und doch könnte das Ende beider Begegnungen nicht unterschiedlicher sein. Der reiche Obere – uns als reicher Jüngling bekannt – geht traurig von Jesus weg. Er nimmt den Ruf in die Nachfolge nicht an. Der andere, Zachäus, darf Jesus als seinen Gast mit nach Hause nehmen. Was ist der Unterschied zwischen diesen beiden Reichen?
Der reiche Jüngling spricht die wichtigste Frage aus, die ein Mensch in seinem Leben stellen kann: die Frage nach dem Heil! Doch gleichzeitig weicht er dieser Frage aus, weil er sie nur an den „guten Meister“ stellen will. Er möchte gar keine Antwort vom Sohn Gottes, sondern nur eine interessante Unterhaltung mit dem „guten Meister“ über seine intelligente Frage. Er will auch keinen Ruf zur Tat hören, sondern Bestätigung seiner selbst. An diesem Punkt fühle ich mich ertappt, denn wie oft geht es mir nur um meine schlaue Frage, nicht darum, eine echte Antwort zu bekommen und schon gar nicht, einen göttlichen Befehl zu hören.
Die Haltung des Zachäus, des zweiten reichen Mannes, ist das genaue Gegenteil. Ihm geht es nicht um „seine“ Frage, sondern ihn treibt nur eins: zu sehen, wer Jesus ist (Lk 19,3). Zachäus kommt mit leeren Händen zu Jesus, mit der Haltung der totalen Offenheit Gott gegenüber.
Nur die leeren Hände kann Gott füllen. Wer wie der reiche Jüngling mit seinen eigenen religiösen Vorstellungen zu Jesus kommt, kann nicht das Geschenk des Heils entgegennehmen. So ist es am Ende Zachäus, der die Antwort auf die Frage des reichen Jünglings hört: „Heute ist diesem Hause Heil widerfahren …“ (Lk 19,9).
Jesus beantwortet die wichtigste Frage auch in unserem Leben, aber nicht als „guter Meister“, sondern als Sohn Gottes, der uns in die Nachfolge ruft.

Dennis Meier / © Advent-Verlag Lüneburg – mit freundlicher Genehmigung

Speak Your Mind