Psalm 127,1
Wenn der HERR nicht das Haus baut, so arbeiten umsonst, die daran bauen. Psalm 127,1
Kein Wunder, dass dieser Text sich mir förmlich aufdrängt. Schließlich entsteht diese Andacht, während um mich herum die heiße Phase der Vorbereitungen auf den großen Einweihungssabbat für das neue Medienzentrum der STIMME DER HOFFNUNG anläuft. Und wie es üblich ist bei einem so umfangreichen Neubau, bleibt bis zur letzten Minute jede Menge zu tun. Da kann kaum jemand wirklich gelassen bleiben, und wenn ich sehe, wie halsbrecherisch die Techniker auf den Gerüsten herumturnen, um auch den letzten Scheinwerfer in Bestposition zu bringen, dann bekommt unser Andachtswort plötzlich eine Aktualität der ganz besonderen Art. Fast könnte es für die Entstehung dieses Neubaus geschrieben worden sein.
Seltsam, dass meine Gedanken auf einmal eine ganz andere Richtung einschlagen. Erst kürzlich hat jemand in meiner Nähe das geflügelte Wort zitiert, ein Mann müsse in seinem Leben drei Dinge tun: einen Baum pflanzen, einen Sohn zeugen und ein Haus bauen. Aber aus der Bibel stammt das nicht, und die großen Persönlichkeiten des Glaubens hatten, wenn ich mich recht entsinne, eine ganz andere Blickrichtung: „Durch den Glauben wurde Abraham gehorsam … Denn er wartete auf die Stadt, die einen festen Grund hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist.“ (Hbr 11,8.10) „Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ (Hbr 13,14)
Könnte es sein, dass unser Glaubens- und Gemeindeleben manchmal deshalb so „fad“ ist, weil wir nicht mehr auf dieser Suche sind? Könnte es sein, dass uns die Schönheit und der Wert unserer irdischen Immobilie so sehr erfüllt und fasziniert, dass auch unsere geistliche Blickrichtung auf dieser Ebene „hängen bleibt“? Es wäre schade darum, denn nicht ohne Grund weist der Apostel Paulus uns darauf hin, dass das, was Gott für seine Kinder vorbereitet hat, auch die weiteste Perspektive menschlicher Phantasie um Längen übertrifft (1 Kor 2,9). Und auf den letzten Seiten der Bibel ist es der Herr selbst, der uns einlädt, ganz bewusst nach oben zu schauen: „Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde … Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu!“ (Offb 21,1.5)
Gottes Kinder haben keinen Grund, mit gesenktem Kopf durchs Leben zu gehen. Du und ich, wir dürfen auch den heutigen Tag mit dem Blick nach oben bewältigen. Die „Perspektive Ewigkeit“ wird unseren Weg erhellen und uns die Richtung weisen, bis unser Herr kommt.
Friedhelm Klingeberg / © Advent-Verlag Lüneburg – mit freundlicher Genehmigung

