5. Februar 2012

Zum zweihundertsten Geburtstag von Charles Darwin

Kaum eine wissenschaftliche Persönlichkeit hat das Weltbild dermaßen dramatisch verändert, wie der englische Autodidakt Charles Darwin. Sein Name wird mit dem Freuds oder Einstein auf eine Stufe gestellt um das Fundamentale seiner Evolutionstheorie zu betonen.

Seit der Publikation von “Die Entstehung der Arten” 1859 waren er und das Buch Gegenstand ebenso brillierender Kritik wie verunglimpfender Polemik. Beide Äußerungen sind als solche wenig geeignet, dem zu begegnen, was Darwin verursacht hat.
Das, was Darwin, und die historischen Umstände sind ja hinreichend bekannt und brauchen hier nicht wiederholt zu werden, auf der Reise mit dem Forschungsschiff Beagle beobachtet und später theoretisch ausgebaut hat, ist im Ergebnis eine Theorie, die mit wissenschaftlichen Methoden entwickelt wurde und beschreibt, wie es hätte sein können. Erstmals gab es eine Theorie, die mit Mechanismen aufwartete, die frei aller transzendenten Bezüglichkeit Aussagen über die Entstehung der Arten zuließen. Das ist ohne Zweifel ein Erfolg.
Und auch in der modernen, inzwischen durch die Verhaltensbiologie und Genetik ergänzten Evolutionstheorie gilt dasselbe. Sie alle fußen in ihren Aussagen zur Entstehung der Arten auf dem darwinschen Konzept der Selektion und Anpassung.
Damit aber hat Darwin eine Perspektive eröffnet, die dramatische Folgen gehabt hat: Die Entstehung der Arten wurde aus der Ausschließlichkeit des Schöpfungsbezuges entkoppelt und in das Feld der auf begriffliche Reflexion reduzierten Wissenschaftlichkeit transferiert. Damit war die Frage um Schöpfung und Evolution gar nicht mehr disputabel, denn jedwede, aus dem Bereich des Schöpfungsglaubens abgeleitete Kritik war per se ein Verstoß gegen die Grundlagen der Wissenschaften. Und so wird bis heute radikal geurteilt: Wer nicht evolutionistisch denkt, denkt unwissenschaftlich, wer nicht pro-evolutionistisch denkt, schließt sich aus der Scientific Community aus. Dafür gibt es beißende Beispiele.
Was die Entstehung des Lebens selbst betrifft, da hat Darwin sich sehr zurückgehalten. Auch alle modernen, zum Teil experimentell untermauerten Ansätze sind bisher wenig überzeugend geblieben. Hier klafft nach wie vor eine große theoretische Lücke.
Es gilt: Das Kritik-Tabu, das der Evolutionismus inzwischen etabliert hat, ist in aller Radikalität abzulehnen, es ist unangemessen, ja, wissenschaftsfeindlich. Die Chance einer echten Kritik liegt eben gerade nicht in der Integration eines jenseits der naturwissenschaftlichen Erfassbarkeit wirkenden, göttlichen Wesens, sondern in der nie zugelassenen, und auch von den Kritikern nie wirklich angestrebten, zu alternativen Theorien!
Derzeit stellen solche Konzepte wie Intelligent Design noch keine echten theoretischen Alternativen dar. Aber es gibt sehr wohl Ansätze zu einer wissenschaftlichen Herangehensweise an die Entstehung der Arten, die nicht evolutionistisch begründet sind. Die Lage hier ist nicht hoffnungslos. Im Bereich der unbelebten Natur besitzt der evolutionistische Ansatz allerdings derzeit einen klaren erklärerischen Vorsprung.
Um im Bild von oben zu bleiben: Die Evolutionstheoretiker können eine theoretisch basierte Geschichte erzählen, die Schöpfungsgläubigen können eine solche Geschichte nicht erzählen, sie erzählen eine spirituelle (geistige) Geschichte. Aber das ist eben keine theoretische. Das Nicht-Wissen oder das Nicht-Erklären darf nicht als das letzte, unangreifbare Rückzugsgebiet verbleiben, das die intellektuelle Redlichkeit eines ebenso glaubenden wie denkenden Christen sichert. So geht es eben nicht!
Als Christ tut man gut, seinen Glauben an einen Schöpfer nicht von der derzeitigen Lage der theoretischen Entwicklung im Bereich der Forschung abhängig zu machen. Man muss keineswegs den Verstand abschalten, um an einen Schöpfer zu glauben. Doch hängt der Glaube an einen Schöpfer nicht an der Möglichkeit, dass es einmal eine theoretische Geschichte geben könnte, die anders als die Evolutionstheorie gestaltet ist. Der Glaube an den Schöpfer begründet sich immer auf der Begegnung mit dem Erlöser-Gott, der uns in Christus lebendig wurde. Von ihm her ist meine, ist unsere Erlösung zu denken – und dann auch die Schöpfung.

Dr. Matthias Dorn / © EANN – mit freundlicher Genehmigung

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