Mut machen und niemals aufgeben
Januar 26, 2009 von Martin Haase
Gespeichert unter Leadership Snacks
Sir Ernest Shackleton wollte mit seinem 45 Meter langen Dreimaster „Endurance“ ins Weddellmeer segeln und unweit der Vahsel-Bucht sechs Männer mit Schlitten und 70 Hunden an Land absetzen. Dieses Team sollte den Südpol erreichen und weiter zum McMurdo-Sund auf der anderen Seite der Antarktis vorstoßen.
Am 5. Dezember 1914 sticht die „Endurance“ von der norwegischen Walfang-Station Grytviken auf Südgeorgien aus in See. Doch 60 Meilen vor ihrem Ziel friert die „Endurance“ ein und wird zehn Monate lang durch die Eisdrift im Weddellmeer getrieben. Schließlich wird das lecke Schiff vom Packeis zermalmt. Die Crew von 28 Männern strandet auf einer kolossalen Eisscholle, 1200 Meilen vom letzten Außenposten der Zivilisation entfernt. Es gibt keinerlei Kontakt zur Außenwelt.
Die Dunkelheit des Polarwinters umgibt die Seefahrer, extreme Kälte lässt ihre Kleidung gefrieren. Wer einen Pelzhandschuh verliert, verliert seine Hand. Fünfeinhalb Monate campieren die Schiffbrüchigen auf dem Treibeis, ernähren sich von Robben und Pinguinen – und essen schließlich sogar die Schlittenhunde. Dann taut es. Am 9. April 1916 besteigt die Crew drei Rettungsboote und kämpft eine Woche lang verzweifelt gegen die eisige Dünung des Polarmeeres. Auf Elephant Island, einer winzigen Insel, bedeckt mit Pinguin-Kot, hat die Mannschaft das erste Mal nach 498 Tagen wieder festen Boden unter den Füßen.
Mit fünf Männern segelt Shackleton neun Tage später im Rettungsboot „James Caird“ 800 Meilen weit nach Südgeorgien, um in Grytviken Rettung zu holen. Dies gelingt auch und am 30. August 1916 werden alle auf Elephant Island zurückgebliebenen Crewmitglieder geborgen.
Die Expedition war zwar gescheitert, doch von Zeitgenossen wurde Shackleton gerühmt als der „größte Führer, der je auf Gottes Erde gekommen ist“. Gerade weil sein Plan misslang. Denn dass alle 27 Männer nach fast zweijährigem Überlebenskampf körperlich gesund und emotional stabil nach Hause zurückkehren konnten, war dem Krisenmanagement und der Führungskunst Shackletons zu verdanken. Er meisterte Probleme, die auch heutigen Führungskräften vertraut sind: Shackleton musste eine heterogene Gruppe von Wissenschaftlern und Seeleuten dazu bringen, auf ein gemeinsames Ziel hinzuarbeiten, sich mit ewigen Neinsagern auseinandersetzen, die unverbesserlichen Pessimisten aufmuntern, die Unzufriedenen davon abhalten, die Atmosphäre zu vergiften, Langeweile und Erschöpfung bekämpfen, Ordnung und Erfolg in einem chaotischen Umfeld schaffen und mit knappen Ressourcen auskommen. (Quelle: Leadership.info)

