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Durch Intelligenz Penetranz übertrumpfen

3. April 2009

Dieses schöne Bonmot von Brunhild Dorn darf derzeit seine volle Anwendbarkeit entfalten – denn es sind die Immer-Alles-Besser-Wissenden, deren Penetranz Schlimmes heraufbeschwört.

Das gemeinsame Bibelstudium nimmt in den Gottesdiensten der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten einen zentralen Platz ein. Es ist das geistliche Forum, in dem die Gottesdienstbesucher miteinander zu vorbereiteten Themen ins Gespräch kommen. Für viele ist es das eigentliche Herzstück des Gottesdienstes – neben Lobpreis und Predigt.

Kein Wunder also, dass die Studienanleitung, die das Thema des Bibelgesprächs vorgibt, von vielen genau und gründlich gelesen wird. Das ist auch gut so! Und doch ist gerade dieses Heft zurzeit in Anlass für bittere Kontroversen.

Da gibt es nun in der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten hochqualifizierte, akademisch erstklassig ausgebildete Theologen, die, und das ist ihnen nun wirklich hoch anzurechnen, ihr Wissen in den Dienst der Kirchengemeinden stellen, und nicht nur ihre akademische Karriere im Kopf haben. Sie bereiten mit Sorgfalt und Augenmaß diese biblisch gegründeten Lehrhefte nach amerikanischen Vorlagen für die deutschsprachige Leserschaft auf und beweisen dabei Gespür in gleich mehreren Richtungen.

Was ist wesentlich und was ist vernachlässigbares Beiwerk? Was muss vertieft erklärt werden und was kann man im Nebensatz darstellen? Was muss als Impuls in die Kirchengemeinden genutzt und was als Abrundung ergänzt werden? Jeder, der schon einmal eine solche Aufgabe übernommen hat, wird wissen, wie schwierig und anspruchsvoll das ist.

Und, das soll hier unmissverständlich gesagt sein, es bedarf auch eines ausgeprägten und gekonnten intellektuellen Fingerspitzengefühls, die für eine amerikanische oder amerikanisch geprägte Leserschaft gestalteten Studienanleitungen so “transkulturell” zu übertragen, dass sich ihre geistliche Dynamik in einem deutschsprachigen kulturellen Umfeld ebenfalls voll entfalten kann.

Diese Arbeit, die von vielen Einflüssen geprägt wird, läuft im Hintergrund ab und erfordert eine kluge und weitsichtige Herangehensweise. Die durchweg sehr gelungenen Bibelstudienhefte beweisen das deutlich.
Solcherart aufbereitete Studienanleitungen verdienen eine konzentrierte und zum Mitdenken bereite Leserschaft. Sie verdienen im Bibelgespräch die vorbereitete und auf das Thema begründete Diskussion. Sie verdienen auch Kritik, sofern sie sachdienlich ist, denn sie sind keine Encykliken – glücklicherweise nicht!
Der mitdenkende Leser und die mitdenkende Leserin, die klug fragenden Gesprächsteilnehmer, die Ideen und Impulse der Bibelstudienanleitungen aufnehmen, umsetzen, anwenden und vermitteln, die werden dem Niveau der Studienhilfen gerecht.

Was aber ganz bestimmt NICHT die Aufgabe der Studienhefte ist, ist die Bedienung hergebrachter Stereotypen! Wer von den Bibelstudienanleitungen erwartet, dass er nur das liest und im Bibelgespräch nur das hört, was er und sie schon immer “wussten”, der muss es gar nicht lesen – der ist eben der penetrante Besserwisser, dessen Urteil ohnehin schon vorformuliert ist. Wer nicht das liest, was er erwartet, wer nicht das vorgesetzt bekommt, was er sich erwünscht, der lebt in der verblendeten Meinung, dass ein einmal gewonnenes geistliches Fundament vor allem durch Unwandelbarkeit gekennzeichnet ist. Der lebt geistlich nicht, der beharrt nur noch! Er weiß schon vorab, was richtig ist, und alles andere ist schon deshalb falsch, weil es eben anders ist.

Gesunde Lehre lebt, sie wächst, sie breitet sich aus, sie wird gelebt, ist intensiv und entfaltet reiche Gestalt. Besserwisserei maßt sich die Arroganz an, sich zurückzulehnen und zu beurteilen, meistens aber zu verurteilen, was andere denken, schreiben und tun.

Und solche Besserwisserei paart sich gern mit Unbelehrbarkeit und Unbeweglichkeit: Ihr wahres Wesen ist ihre penetrante Hinterhältigkeit, mit der sie alle, die anders sind, mit dem vermeintlichen Anspruch, es besser zu wissen, diffamieren – diejenigen, die die Bibelstudienhefte in der letzten Zeit aufbereitet haben, wissen hierzu ungehörige und ungeheuerliche Beispiele aufzuführen. Unverschämtheit!

Intelligenz, Wissen, Bildung und Klugheit sind natürlich souveräne Waffen, mit derlei unappetitlichen Exponenten einer geistlichen Besserwisser-Fraktion fertig zu werden – das ist schon richtig.

Aber, ‘mal so ganz ehrlich gefragt, manch “unintelligente” Methode kann auch recht erfreulich und erfolgreich sein – oder? (EANN/Dr. Matthias Dorn)

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