Friday, July 30, 2010

Paneuropäischer Jugendkongress: Es gibt [nichts] Neues unter der Sonne

August 14, 2009 von Martin Haase  
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haaseKommentar von Martin Haase

Mein Falkplan von München, Auflage 52 mit Aktualitäts-Siegel, weist das Gelände als Flughafen München Riem aus, das Navigationssystem in meinem Auto leitete mich allerdings sicher zum Internationalen Congress Center München. Ich war also dabei, vom 5. – 9. August 2009, beim 2. Paneuropäischen Kongress der Adventjugend. Und es hat mir richtig gut getan! 1967 erlebte ich in Wien meinen ersten Internationalen Kongress der Adventjugend und in diesem Sommer meinen ersten Jugendkongress in Deutschland.

Vor mir liegt ein Magnetonband der Firma Agfa. Auf 270 m ist darauf der Sabbatgottesdienst aufgezeichnet und die Predigt von Pastor E. L. Minchin kenne ich auch vier Jahrzehnte später noch auswendig. „Wachet“ – „Veillez“ – „Watch“ – Angesichts der bevorstehenden 68er Kulturrevolution hatte das damalige Kongressmotto geradezu prophetischen Charakter.

Wie hat sich die Welt seither verändert: Normen- und Wertewandel durch die 68er- und Hippie-Bewegung, Woodstock, Wegfall des Eisernen Vorhangs, Globalisierung und aus Mark wurde Euro. Dazu die digitale Revolution: Wer von den jugendlichen Teilnehmern des Münchener Kongresses weiß noch, was ein Tonband oder eine Schallplatte ist? Ein Leben ohne Mobiltelefon? – heute unvorstellbar, die Telefonhäuschenromantik ist Vergangenheit. Heute wird das Bildmaterial im Pressebüro des Jugendkongresses in Gigabytes, nicht in Negativen und Filmen gerechnet.

Und doch ruft die Jugend in München nach Veränderung. „Wir fordern die Leitung der Freikirche in Europa auf, einen neuen Führungsstil zu entwickeln, der auf offenem Dialog, gegenseitigem Verständnis und einem gemeinsamen Ziel basiert“, steht es im dritten Absatz der „Münchener Erklärung“, die von den Kongressteilnehmern verabschiedet wurde.

Es ist das Recht der Jugend, rebellisch zu sein und den Finger in diese und jene Wunde zu legen. Die Leiter unserer Freikirche sind gut beraten, die Empfindungen der Jugendlichen ernst zu nehmen und den eigenen Führungsstil aufrichtig zu hinterfragen: Wie transparent sind die Entscheidungen auf den Verwaltungsebenen? Wie glaubwürdig wirkt das Handeln der Kirche? Kann sich die Basis – die Jugend – noch mit der Kirche identifizieren oder verwaltet sich die Administration vielleicht nur noch selbst? Die Münchener Erklärung sichert der Kirchenleitung zu: „Wir sind bereit unseren Beitrag zu leisten und uns aktiv einzubringen.“ Wow!

Und dann kehren die 4500 Jugendlichen aus 40 Ländern euphorisch in ihre Ortsgemeinden zurück und hören von den älteren Gemeindegliedern: „Wir haben Angst. Wir wissen nicht, was die vorhaben.“ Angst, auf der Strecke zu bleiben, Angst, dass die Kirche einem Jugendwahn verfällt. Angst, dass die Glaubensfundamente ins Wanken geraten. – Alle Macht den Kindern – den Jugendlichen, frei nach dem Pink Floyd-Paradigma We dont need no education. We dont need no thought control?

In der Kirche spiegelt sich die Gesellschaft – und die befindet sich in stetem und immer schneller werdendem Wandel. Diese permanente Veränderung als willkommene Gelegenheit anzunehmen und zu adaptieren, liegt in der Verantwortung weiser Menschen. Wer Gottes Reich bewahren will, muss sein Denken, sein Handeln und seine Sprache ändern. Aber wer weitsichtig verändern will, muss auch systemisch und verantwortungsbewusst führen. Das ist keine Frage des Alters sondern einzig und allein eine Frage des Verständnisses für die Gemeinde Christi oder anders ausgedrückt für das ganzheitliche, geistliche System Christi. Da lohnt ein Blick über den kirchlichen Tellerrand hinaus. Die erfolgreichsten und begehrtesten Veränderungsmanager sind oder waren reife und erfahrene Persönlichkeiten wie Abraham Lincoln, Peter Drucker, Jack Welch, Rudolph Giuliani oder Peter Senge.

Jesus Christus selbst hat wohl die größte Veränderung der Weltgeschichte bewegt. Er konnte das, weil er alle Menschen gleich liebte, die alten wie die jungen. Er konnte das, weil ihn die Vision von einer neuen Welt beflügelte. Er konnte das, weil er das Ganze verstand, den Kampf zwischen ihm und dem Antichristen, den Erlösungsplan und die Neuschöpfung. Wenn Menschen sich entschließen, Gottes Herrschaftsgebiet in Europa auszubreiten, brauchen die jungen keine Angst vor den alten und die alten keine Angst vor den jungen Leuten zu haben.

Aus der Ferne betrachtet, war München sicher kein missionarischer Kongress im kirchentraditionellen Sinn, das mag auf den ersten Blick verunsichern. Aber von dem bunten Fest der Jugend ging ein deutliches Signal des Aufbruchs aus. „It’s your turn!„ – „Du bist dran!“ so das Motto von München. Diese Ermutigung gilt allen, die ein Leben in der Hingabe an Jesus Christus führen wollen.

Jugend will bewegen, Jugend ist ungeduldig, Jugend hat Power, – das war immer so und das ist gut so. Aber Jugend darf die Alten nicht vergessen, deshalb ein Tipp an die junge Generation: „Nehmt die Alten, die Schwachen, die Unbeweglichen, die Mutlosen mit, wenn ihr aufbrecht ins Reich Gottes!“

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