Friday, July 30, 2010

Unerträgliche Verunglimpfung

September 15, 2009 von ALT  
Gespeichert unter Blog, Editorial

drmdornvon Dr. Dr. Matthias Dorn

Wissenschaftliche Diskussionen können durchaus leidenschaftlich geführt werden. Dreht es sich bei diesen Diskussionen meist um Fakten, Theorien oder andere Aussagetypen, so ist die emotionslose Nüchternheit durchaus nicht Standard. Das wundert nicht, denn es sind ja Menschen, die diese Diskussionen führen, und die haben Beziehungen zu ihren wissenschaftlichen Arbeiten, zu ihren wissenschaftlichen Grundlagen, die nicht selten auch die Basis ihrer ökonomischen und sozialen Lebensgrundlage bilden.

So verständlich es also ist, wenn es auch im Seminar einmal “hoch hergeht”, so unverständlich – und inakzeptabel – ist es, wenn nun Prof. Richard Dawkins in seinem neuesten Buch “The greatest Show on earth” behauptet, dass Kreationisten mit Holocaust-Leugnern auf eine Stufe zu stellen seien, da sie beide historische Tatsachen leugneten.

Wenn Dawkins das ernst meint, was heißt das?

Ein Holocaust-Leugner ist jemand, der allen Ernstes meint, es habe keine Massenvernichtung jüdischer Menschen im nationalsozialistischen Deutschland gegeben. Er leugnet die entsetzliche Tatsache, dass Menschen so einen Gräuel anderen Menschen antun können. Verblendung, Hass, Verachtung des Andersartigen und letztlich eine elende innere Verarmung zeichnen solche Leute aus. Waren schon diejenigen, die in den Vernichtungslagern die Gashähne aufgedreht haben, menschlicher Abschaum, so kommen die Holocaust-Leugner dem gleich. Es ist gut, dass das Leugnen des Holocausts in Deutschland ein Straftatbestand ist. Wehret den Anfängen!

Meint Dawkins allen Ernstes, dass Menschen, die mit der Evolutionstheorie ihre Probleme haben, eben solcher menschlicher Abschaum sind? Will Dawkins damit sagen, dass diejenigen, die anders denken als es in der evolutionistischen Sicht praktiziert wird, intellektuelle Kriminelle sind?

Wer die Existenz von Fossilien leugnet oder sich, vielleicht aus gut gemeinter Ergebenheit dem Wort Gottes gegenüber, wissenschaftliche Daten schön redet, mag als Ignorant gelten. Wer permanent auf die Schwächen und Fehleranfälligkeiten der Naturwissenschaften verweist, mag als Wissenschaftsfeind gelten (obwohl auch er Auto, IuK-Technologie, High-Tech Medien und ähnliches nutzen wird). Sicher sind fundamentalistische Kreationisten nicht eben ein Ausbund an akzeptabler Wissenschaftlichkeit. Sie sind ideologisch nicht weniger dominiert (borniert?) als diejenigen im anderen Lager, also eingefleischte Evolutionisten.

Aber was ist mit denen, die selbst im Wissenschaftsbetrieb stehen, die seriöse Fragen stellen, die sich nicht dem fundamentalistischen Evolutionismus zurechnen, sondern ein eigentlich dem wissenschaftlichen Denken selbstverständliches, kritisches Bewusstsein bewahren? Sind das auch “Evolutions-Leugner” wie es im Politischen oder Historischen Holocaust-Leugner gibt?

Dawkins hat offensichtlich keine Probleme, diese ungeheuerliche Verunglimpfung zu behaupten, sein militanter Atheismus dokumentiert das deutlich. Dawkins ist offensichtlich in seinem programmatischen Hass auf alles Religiöse so fundamentalisiert, dass er sich über sie Konsequenzen des Vergleichs nicht mehr im Klaren zu sein scheint: Werden Holocaust-Leugner nicht bestraft, sind sie nicht zu bekämpfen, verdienen sie nicht unseren erbitterten Widerstand? Prima – dann nichts wie los auf alle, die nicht evolutionistisch denken: Die Treibjagd hat begonnen.

Pfui!

Schreib deine Meinung dazu

Was hältst du davon ...
und wenn du deinem Kommentar ein Bild anfügen möchtest, mach es gravatar!

Du musst angemeldet sein um einen Kommentar zu veröffentlichen.