Friday, July 30, 2010

Es brodelt … Zum Minarett-Entscheid in der Schweiz

Dezember 1, 2009 von ALT  
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Von Dr. Matthias Dorn

Es kann hier nicht der Ort sein, in dem über die Rechtmäßigkeit oder Rechtsstaatlichkeit der Entscheidung der Schweizer gestritten wird. Und ob es nun der Schweiz als Nation gut tut oder nicht und ob man nicht bald zur politischen Tagesordnung übergeht oder nicht ist auch müßig zu erörtern.

Eines aber verdient Respekt: Die Schweizer haben aufgemuckt – demokratisch! Sie haben es gewagt, einem architektonischen Symbol die rote Karte zu zeigen, einem Symbol, dass natürlich nicht allein im Vordergrund stand. Es waren keine Fanatiker, die hier herumpolterten, sondern demokratisch gebildete Menschen, die ein Votum abgegeben haben, das zunächst Respekt verdient. Die verständnislose Überheblichkeit der aufgebrachten Verlierer und der anderen europäischen Regierungen mutet da etwas hilflos und besserwisserisch an.

Die Schweizer haben übrigens nicht die Religionsfreiheit eingeschränkt sondern nur einer dreisten Überforderung wertvoller Freiheitsrechte eine Abfuhr erteilt.

Selbst konsequent säkular denkende Menschen werden es sehr schwer haben zu zeigen, dass unsere westeuropäische Wertewelt ohne die Gründung in christlicher Ethik hätte entstehen können. Und es ist ein grobes Versäumnis der Christen in unserem Land, in ganz Europa, sich in ihrem prägenden Einfluss auf die Gestaltung der Gesellschaften marginalisiert haben zu lassen. Außer dem Staat tut niemand so viel zum Wohl gerade der sozial Schwachen, der Benachteiligten und der Betrübten – wie die Kirchen und Freikirchen! Und das weltweit! Und das ist bestimmt nichts Unpolitisches!

Der Islam, soweit er auch nur ansatzweise militante Strukturen erkennen lässt, muss mit rechtsstaatlichen, politischen und geistlichen Kräften in seine Schranken verwiesen werden. (Wobei wir hier unerwähnt lassen, dass selbst Staaten wie die Türkei, die im pseudolaizistischen Gewand inzwischen stärker islamisiert sind als wir wahr haben wollen, niemals auch nur ansatzweise praktizierenden Christen die Freiheit einräumen, die die Muslime hier genießen.) Allein schon die Tatsache, dass Europa den Muslimen die Freiheiten gewährt, die sie hier jetzt (miss)brauchen, ist in den Augen der bekennenden Muslime ein Zeichen der Schwäche.

Man kann es so sagen: In Europa leben wir unter dem Zeichen des Kreuzes, nicht unter dem des Halbmondes. Und deshalb sind auch Minarette eben nicht dasselbe wie Kirchtürme, sind schreiende Muezzine nicht mit dem herrlichen Klang der Glocken zu vergleichen. Die Schweizer haben völlig richtig entschieden.

Aber es ist noch etwas anderes, was besorgniserregender ist: Solch eine Abstimmung eines kleinen Landes in der Mitte Europas kann zu erdrutschartigen Bewegungen globalen Zuschnitts führen, deren Ausmaße dann gar nicht mehr in Bezug und Verhältnis zum eigentlichen Anlass stehen. Unsere politischen Verhältnisse sind nicht so stabil, wie wir meinen und wünschen. Wer noch im Sommer 1989 gedacht hätte, dass die Berliner Mauer fallen könnte, wäre ausgelacht worden – und es kam anders! Wer vorhergesagt hätte, dass es nur weniger Jahre bedürfe, dass der sowjetische Block auseinanderfällt, der wäre als Phantast gebrandmarkt worden – und es ist Wirklichkeit geworden! In nur einem Jahr ist das gesamte globale Finanzsystem an den Rand des Zusammenbruchs geführt worden, und niemand weiß, was am Ende herauskommen wird.

„Akzeleration“, also Beschleunigung, ist neben Naturwissenschaften beziehungsweise Technik und Anthropozentrik der prägende Begriff unserer Zeit. Die zunehmende Infiltration vermeintlich tolerierbarer Ideologien und Konzepten, ob in religiösem Gewand oder nicht, in unsere Lebenswirklichkeit, schafft ein gefährliches politisches Spannungspotential, dessen Freisetzung wahrscheinlich schnell unkontrollierbar ist.

Ich werde das ungute Gefühl nicht los, dass es in Europa anfängt, zu brodeln …

Dr. Matthias Dorn / © EANN – mit freundlicher Genehmigung

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