5. Februar 2012

Relational Leadership

Walter C. Wright, Jr., Relational Leadership, A Biblical Model for Influence and Service, Paternoster Publishing, Carlisle, CA, USA, 2000. $9,99. Das Buch hat 6 Kapitel und ist 216 Seiten stark. Die umfangreichen Literaturangaben befinden sich am Ende eines jeden Kapitels. Am Ende des Buches befindet sich ein 11seitiges Stichwortverzeichnis.

Der Autor

Seit über 30 Jahren beschäftigt sich Walter Wright mit dem Wesen von Leadership. Nach dem College wird sein Dienst von vier großen

Persönlichkeiten des Fuller Seminars beeinflusst: C. Schoonhoven, G. Barker, D. Hubbard und M. DePree. Wright ist Gründungsdirektor des “Institute for Christian Organizational Development” am Fuller Seminar. Neben einer über zwanzigjährigen Lehrtätigkeit über Leadership ist Wright im mittleren und höheren Management tätig gewesen. Seit 1989 ist er Präsident des Regent Colleges in Vancouver, British Columbia, Canada.

Der Inhalt

Wright beginnt seine Ausführungen mit dem Buch Judas, aus dem er fünf wesentliche Eigenschaften einer dienenden Führung ableitet. Die praktische Anwendung dieser Prinzipien entfaltet er in den folgenden fünf Kapiteln anhand der Beziehung zwischen Philemon, Paulus, Onesimus, Tychus und der Gemeinde zu Kollossä, wie sie uns im Brief des Paulus an Philemon berichtet wird. Ergänzt durch andere Literatur und die Praxis als Führungspersönlichkeit entwickelt Wright das Modell „relational Leadership”. Sein Modell soll praxisorientiert und biblisch fundiert sein.

Was ist Leadership? Sind alle Christen als Führungspersönlichkeiten berufen oder nur wenige Auserwählte?

Leadership ist eine Beziehung, in der eine Person die Gedanken, die Werte, die Überzeugungen und das Verhalten einer anderen Person beeinflussen möchte.

Wenn dies stimmt, bezieht sich Leadership auf jeden Christen. Weil wir alle von Gott beauftragt sind, das Leben anderer zu bereichern und zu würzen.

Im ersten Kapitel entfaltet Wright die Grundlagen für „relational Leadership” anhand des Buches Judas. Weil sich unsere Identität auf die bedingungslose Liebe Gottes zu uns gründet, weil wir durch die Wiederkunft Jesu eine Zukunft über den Tod hinaus haben, und weil wir durch Gottes Liebe und Bewahrung ständig um unsere Bedeutung wissen, können wir anderen dienen. Auf dieser Grundlage können wir andere beeinflussen und ihnen von ganzem Herzen wünschen, „…dass Gottes reiche Barmherzigkeit, sein Frieden und seine Liebe euch immer mehr erfüllt (Judas 2)”. Aus den Versen 12 und 13 entwickelt Wright sein „relational Leadership Modell” mit fünf zentralen Säulen beziehungsorientierter Führung. Diese werden in den nächsten fünf Kapiteln entfaltet.

Leadership ist Einfluss und Dienst

„Wenn ihr euch zu den Mahlzeiten versammelt, haben sie keine Hemmungen, sich die Bäuche vollzuschlagen…. Judas 12). Leadership lässt sich nicht bedienen, sondern dient.

Per Definition sind Hirten Diener der Herde. Dienst ist eine Position der Verantwortlichkeit und des Dienens, nicht von Status und Macht. Die Schafe sind nicht um des Hirten willen da. Der Hirte wird um der Schafe willen eingesetzt. Dies wird an der Lebensgeschichte des Onesimus deutlich. Paulus kann für Onesimus den Weg zum Dienst ebnen, indem er Philemon auf der Beziehungsebene (und eben nicht auf der Machtebene) beeinflusst und ihm gerade deshalb die freie Wahl ermöglicht, Onesimus frei zu lassen oder ihn weiterhin als Sklave zu behalten. Leadership ist eine dienende Beziehung, in der Einfluss durch Dienst und nicht durch Position oder Status ausgeübt wird. Darum empfiehlt Wright ein situatives Führungsmodell (angelehnt an Hersey und Blanchard), dass sich an der Reife des Menschen orientiert, einen Wechsel der Führungsstile zulässt und Menschen zum Optimum an Reife führen kann. Dieser Prozess der Reifung wird durch drei Beziehungsformen gefördert: Mentoring, Coaching und Teambildung.

Leadership ist Vision und Hoffnung

„Sie sind wie Wolken, die der Wind vor sich her treibt, ohne dass sie den erhofften Regen bringen… (Judas 12)”. Leadership redet nicht über Visionen und Hoffnungen, sondern verwirklicht sie, Heute.

Um Philemon zu beeinflussen, knüpft Paulus an dessen Visionen an. Es klingt so, als würde Paulus sagen: „Philemon, lass uns gucken, ob du schon jetzt deine Visison von der Gemeinschaft der Christen (koinonia) praktisch umsetzen kannst. Wenn du Onesimus in die Gemeinschaft der Gläubigen aufnimmst und ihn als Sklave in die Freiheit entlässt, dann bist du ein lebendiges Modell für Koinonia! Dann zeigst du, dass die Gemeinschaft über persönlichen Verletzungen und Interessen steht.” Visionen sind so stark, dass sie unser Leben heute verändern. Wie Visionen entwickelt und umgesetzt werden, zeigt Wright an einem 10 Schritte-Modell und der Erarbeitung eines Szenarios.

Leadership ist Chararkter und Glaubwürdigkeit

„…wie verdorrte Bäume, auf denen man zur Erntezeit die Früchte vergeblich sucht. Sie sind tot, vollkommen tot, bis zur Wurzel abgestorben…(Judas 12).” Leadership lebt vom Charakter und bereichert die Werte und den Charakter anderer.

Die Gemeinde zu Kollossä versammelt sich im Haus des Philemon. Alle sitzen im Kreis. Onesimus ist zum ersten Mal dabei. Alle kennen die Vergangenheit. Jetzt zeigt sich der Charakter von Philemon. Für alle erlebbar. Kann er trotz der erlittenen Verletzungen anerkennen, dass Onesimus sein Leben verändert hat?

Das Leben der Gemeinde wird von zwei Faktoren beeinflusst: den Visionen und dem Charakter (die Werte der Führungspersonen und der Gemeinde). Wright zeigt 17 Werte auf, die aus seiner Erfahrung Personen und Gemeinden positiv prägen.

Leadership ist Beziehung und Kraft

„… sie sind wie die wilden Meereswogen, die ihren Schmutz und Unrat ans Ufer werfen… (Judas 13).” Leadership ist getragen von Kraft, Absicht und Beziehung. Hinter den Worten stehen kraftvolle Taten und Resultate, die aufbauen.

Tychicus lebt Leadership. Er ist ein treuer Bruder, ein treuer Diener und ein zuverlässiger Ermutiger. Wright beschreibt, was Menschen motiviert, freiwillig (ob angestellt oder unbezahlt) mitzuarbeiten. Führungspersonen sind für den Erfolg ihrer Mitarbeiter verantwortlich. Dazu erläutert er den Weg, auf dem er Mitarbeiter zum Erfolg führt.

Leadership ist Verbundenheit und Verantwortlichkeit.

„Sie gleichen Sternen, die aus der Bahn geraten sind, und werden in der ewigen Finsternis versinken (Judas 13). Leadership ist geprägt von Verbundenheit und Verantwortlichkeit. Leadership lässt sich hinterfragen und ist durchsichtig.

Paulus erinnert Philemon an die Verantwortung, die er vor Gott und der Gemeinde trägt. Sein Verhalten Onesimus gegenüber zeigt, ob seine Worte in der Dunkelheit versinken oder wie Sterne Licht und Orientierung geben.

Eine Führungspersönlichkeit ist Gott gegenüber verantwortlich. Dies bezieht sich auf die Beziehung zu Gott, auf die Beziehung zur Arbeit, zur eigenen Person und auf die privaten Beziehungen. Leiter müssen lernen, um Vergebung zu bitten und sich selbst und anderen für die unvermeidlichen Fehler zu vergeben.

Fazit

Wright ist es fundiert und interessant gelungen, biblische Aspekte von Leadership auf den Alltag zu übertragen. Er hat Theorie und eigene Führungserfahrung verständlich miteinander verbunden. Sein Ziel, das Denken über Leadership und Management zu stimulieren hat er bei mir erreicht. Er hat mich ermutigt, in Menschen, für die ich verantwortlich bin, zu investieren und sie erfolgreich zu machen. Auch wenn ich Wright zustimme, dass alle Christen gerufen sind, das Leben anderer Menschen zu bereichern, würde ich dieses Buch nicht als Pflichtlektüre für jeden Christen empfehlen. Vielmehr ist es ein Buch für Menschen, die ihre Führungsverantwortung noch bewusster und verantwortungsvoller wahrnehmen wollen.

Leadership ist eine Beziehung, in der eine Person die Gedanken, die Werte, die Überzeugungen und das Verhalten einer anderen Person beeinflussen möchte.

Klaus – J. van Treeck, im August 2001

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