10. Februar 2012

Internationale Konferenz für Online-Evangelisation in Bangkok

Mehr als 170 Personen aus allen Teilen der Welt nahmen vom 1.-4. September an der dritten internationalen Konferenz für Online-Evangelisation in der thailändischen Hauptstadt Bangkok teil.

Während der viertägigen Sitzungsperiode beschäftigten sich fast alle Referate und Workshops mit der Frage, wie es gelingen kann, über das Internet mit Menschen direkt in Berührung zu kommen. Es bestand bei nahezu allen Experten die einhellige Auffassung, dass das Internet lediglich ein Weg hin, zu einer persönlichen Beziehung des nach Antworten suchenden Menschen sein kann.

Pastor Mark Finley, Vizepräsident der Weltkirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten, begrüßte am Samstagmorgen ausdrücklich die Bedeutung des Onlinemediums: “Das Internet ist eine von Gott gegeben Möglichkeit, die wir nutzen müssen.” Gleichzeitig verharmloste Finley nicht die negativen Seiten dieses “technischen Tools”. Finley weiter: “Gott hat immer Leute benutzt, um Menschen zu erreichen. Das Internet wird weiter wachsen, aber es wird niemals die persönliche Evangelisation ersetzen. Nur vom Heiligen Geist erfüllte Menschen werden die Welt erreichen.”

Das vom Online-Ausschuss der Siebenten-Tags-Adventisten koordinierte Forum ist ein “Beispiel der Zusammenarbeit zwischen Laien und Leitern unserer weltweiten Kirche”, sagte Dan Houghton, adventistisches Laienglied und Leitungsmitglied des Global Internet Evangelism Network (GIEN), das die Konferenz organisiert hat. Houghton verwies darauf, dass dieses Ereignis deutlich macht, wie groß das Interesse der Freikirche an dieser Arbeit ist und dass diese Technologie als wirksames Instrument für missionarische Aktivitäten genutzt wird.

“Wenn jemand nicht im Internet gefunden werden kann, existiert er nicht” behauptete Ron Vyhmeister, Direktor des Adventist International Institutes für Advanced Studies (AIIAS) in Silang, auf den Philippinen. Diese Behauptung wurde von den Teilnehmern durchaus kontrovers diskutiert, da sie nach Meinung einiger Teilnehmer dem Internet einen unangemessen hohen Stellenwert beimisst.

So relativierte Martin Haase in seinem Referat, Globale Mission – Eine lokale Leidenschaft, am Samstagnachmittag den exklusiven Anspruch mancher Internettechnologen, mit dieser Technik das optimale Werkzeug für die Verkündigung gefunden zu haben. “Ich glaube nicht an das Internet, wie an einen Gott. Es bietet uns aber die ungeahnte Möglichkeit, auf dieser cross-medialen Plattform die Gute Nachricht weltweit, über Grenzen hinweg zu verbreiten.”

Unbestritten hat das Internet die Welt verändert. Noch einmal Ron Vyhmeister: “Das Internet bewirkt Veränderung. Aber wir sollten keine Angst vor diesen Veränderungen haben:” Und Matthias Dorn ergänzte: “Es ist der selbe Erdball, aber eine veränderte Welt.”

Die fortschreitende Entwicklung der Informationstechnik vollzieht sich weltweit in unterschiedlicher Intensität. Während einige Referenten nicht müde wurden, von einem neuen Medium zu sprechen, scheint für andere der IT-Zenit bereits überschritten. So verwies Stephan Brass auf seine ersten Gehversuche, damals noch in der so genannten BTX-Umgebung, die er bereits gegen Ende der achtziger Jahre absolvierte. Als relativ neu kann man indess getrost die Akzeptanz des Internets als evangelistisches Medium auf der Ebene der Weltkirchenleitung einstufen. Hier befinden sich die Siebenten-Tags-Adventisten noch in einem offen Entscheidungsprozess, den die Teilnehmer der Bangkoker Konferenz mit mehreren Leitanträgen beleben wollen. Besonders die Bereitstellung von personellen und finanziellen Ressourcen ist bisher ungeklärt.

Eine zentrale Steuerung der globalen, adventistischen Webaktivitäten scheint dagegen allerdings ausgeschlossen und wenig sinnvoll. Zu groß sind gegenwärtig noch die Unterschiede der technischen Infrastruktur. Dazu kommen die kulturellen und sprachlichen Verschiedenheiten. Während in amerikanischen und westeuropäischen Haushalten der schnelle Breitbandzugang fast schon zur Basisausstattung zählt, war es beispielsweise nicht möglich, für die Forumsteilnehmer in dem ansonsten hervorragendem Tagungshotel in Bangkok einen vernünftigen und schnellen Internetzugang einzurichten. Auf der anderen Seite bieten sich gerade solche Konferenzen an, voneinander zu lernen, sich auszutauschen und sich bei Bedarf auch gegenseitig praktisch zu unterstützen. So ließ die Myanmar Union Mission die Teilnehmer wissen, dass sie jetzt auch online sei. Während des letzten Forums 2004 im us-amerikanischen Silver Spring wurde spontan ein erheblicher Betrag gesammelt, mit dem inzwischen eben diese Myanmar Union ihre eigene Internetstruktur aufbauen konnte.

Dennoch funktioniert das Internet auch in den vermeintlich nicht so gut ausgestatteten Gegenden. Scott Griswold, Direktor des Buddhist Study Center in Bangkok berichtete über die Konfrontation zwischen dem Buddhismus und dem Christentum und die hilfreiche Rolle, die das Internet bei der Arbeit unter Buddhisten spielt. Ähnliche Projekte werden von der Gemeinschaft ebenfalls in der schwer zugänglichen islamischen Welt unterhalten. Auch hier dreht sich alles um die im Workshop von Stephan Brass aufgeworfene Frage, wie durch die offene Tür der virtuellen Kontakte, Menschen in eine lebenslange Beziehung mit Christus geführt werden können.

“Dies kann für unsere Gemeinschaft ein ziemlich große Anstrengung bedeuten”, so Kommunikationsdirektor Dabrowski. “Werden die Menschen unsere realen Gemeinden so vorfinden, wie wir sie in unseren virtuellen Gemeinschaften vermitteln?”

In den Workshops wurde ein breites Spektrum des Internetwissens angeboten, aus dem die Freikirche erheblichen Nutzen ziehen kann. Michael Dabrowski, ein Internetspezialist aus Washington DC. behandelte in zwei Vorträgen, was einen erfolgreichen Webauftritt ausmacht, Annette Melgosa von AIIAS referierte über effektive Webpräsentationen, der Online-Redakteur von Adventist Review, Carlos Medley ging der Frage nach, wie man für ein Online-Medium schreibt und der ehemalige Chef von It Is Written, Mark Finley, referierte über die Prinzipien von Evangelisation und wie man diese im Internet umsetzen kann.

Mit acht Mitgliedern zeigte der deutsche adventistische Verein staonline e.V. eine erfreulich starke Präsenz auf dieser Konferenz. Mit dem 1. Vorsitzenden Martin Haase, dem 2. Vorsitzenden Stephan Brass und Beirat Matthias Dorn waren gleich drei Vertreter des Fördervereins aktiv mit zwei Referaten und einem Workshop in den Programmablauf eingebunden. Die Kommunikationsleiter der Weltkirchenleitung, Direktor Ray Dabrowski und der Medienbeauftragte John Banks würdigten wiederholt das mehr als zehnjährige Engagement von staonline e.V. für die Siebenten-Tags-Adventisten und bezeichneten es, auch für die Konzeption dieses internationalen Forums, als beispielhaft.

“Das Interesse an diesem Forum hat alle unsere Erwartungen übertroffen”, resümierte John Banks verantwortlicher Organisator des Forums. “Zuerst waren wir uns nicht sicher, ob der Tagungsort und das Programm die Leute ansprechen würde. Aber letztlich zählten wir über 170 Teilnehmer aus unterschiedlichen Kulturen. Viele von ihnen kamen aus Gegenden, in denen die neuen Technologien ein sprunghaftes Wachstum verzeichnen.”

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