10. Februar 2012

Die Evolution – Zeichen der Herrlichkeit Gottes?

Eine Auseinandersetzung über die Vermischung der Schöpfungslehre mit der Evolutionstheorie

Von Josef Butscher

Das Jahr 2009 wurde von vielen als Darwin-Jahr begangen, weil Charles Robert Darwin (12.2.1809-19.4.1882) vor zweihundert Jahren geboren wurde und weil 1859, also vor 150 Jahren, sein Werk „On the Origin of Species by Means of Natural Selection“, deutsch: „Die Entstehung der Arten“ auf den Markt kam und damit bis heute wesentliche Grundlagen zur Evolutionstheorie legte. Darwin hat die Hypothese aufgestellt, dass der Mensch vom Affen abstamme. Obwohl er seine Vermutung nicht beweisen konnte und sie bis heute nicht bewiesen ist, wurde sie inzwischen zum Dogma erhoben.

„Als man der Gattin des anglikanischen Bischofs von Worcester eines Tages von Darwin und seiner gerade veröffentlichten Evolutionstheorie erzählte, soll sie ausgerufen haben: ‚Lieber Gott, lass es nicht wahr sein, und wenn es doch wahr ist, dann lass es wenigstens nicht bekannt werden!’“ (Zitiert in: Gerhard Lohfink, Welche Argumente hat der neue Atheismus? Verlag Urfeld, 2008, Seite 45)

Die erste Auflage seines Buches von 1.250 Exemplaren war noch am selben Tag vergriffen. Gott hatte die Verbreitung nicht verhindert. Das Gedankengut Darwins hatte wesentlichen Anteil daran, dass Menschen ihren Glauben an Gott als Schöpfer aufgaben, bzw. in Frage stellten.

Ich möchte noch einen zweite Person ins Spiel bringen, den englischen Biologen Richard Dawkins (* 26.03.1941), der 2006 das Buch „The God Delusion“, 2007 in deutsch unter dem Titel: „Der Gotteswahn“ veröffentlichte. Auch diese Publikation hat Gott nicht vereitelt. Das Buch wurde weltweit ein Verkaufsschlager. Allein von der englischsprachigen Ausgabe sind binnen eines Jahres über eine Million Exemplare verkauft worden. (Stern-Interview vom 7.10.2007)

Natürlich wurde diesem Buch auch weltweit widersprochen, nicht nur, weil Dawkins die Evolutionstheorie für eine unumstößliche wissenschaftliche Tatsache hält, sondern vor allem wegen seiner rüden Angriffe gegen jede Art von Religion. (Richard Dawkins, Der Gotteswahn, Berlin 2007, 4. Auflage, Seite 45. – „Der Gott des Alten Testaments ist – das kann man mit Fug und Recht behaupten – die unangenehmste Gestalt in der gesamten Literatur. Er ist eifersüchtig und auch noch stolz darauf; ein kleinlicher, ungerechter, nachtragender Überwachungsfanatiker; ein rachsüchtiger, blutrünstiger ethnischer Säuberer; ein frauenfeindlicher, homophober [=einer mit extremer Abneigung gegen die Homosexualität], rassistischer, Kinder und Völker mordender, ekliger, größenwahnsinniger, sadomasochistischer [= einer, der durch Hinzufügen und Empfangen von Misshandlungen seine Triebe befriedigt], launisch-boshafter Tyrann.“)

Durch Dawkins ist, wie er selbst äußert, wohl kaum jemand zu seinen Ansichten bekehrt worden, aber viele wurden ermutigt, sich zu ihrem Atheismus öffentlich zu bekennen, obwohl er selbst die Frage, ob es einen Gott gibt oder nicht gibt, offen lässt. 2008/2009 unterstützte Dawkins die Kampagne mit den Londoner Bussen, auf denen zu lesen war: „Es gibt wahrscheinlich keinen Gott. Höre jetzt auf, dir Sorgen zu machen und genieße dein Leben.“ Zu denen, die mit Dawkins nicht übereinstimmen, gehören viele Zeitgenossen, die aber keine Schwierigkeiten haben, die Aussagen der Bibel mit der modernen Evolutionstheorie zu vereinen. Denn es gibt nicht nur die materialistische Evolutionstheorie, sondern auch die sogenannte theistische (griechisch: theos = Gott), die besagt, dass die Evolution von Gott in Gang gesetzt und gesteuert wurde.

Das ist heute die gängige Meinung fast aller Theologen – und auch der meisten Laien, insofern sie sich als Christen verstehen.

Einer dieser Vertreter ist der katholische Theologe Gerhard Lohfink (* 1934). Er war Professor für neutestamentliche Exegese [Auslegung des Neuen Testaments] an der Universität Tübingen. 1987 ist er auf eigenen Wunsch aus dem Universitätsdienst ausgeschieden und lebt und arbeitet seitdem in der Katholischen Integrierten Gemeinde und ihrer Priesterschaft. 2008 erschien von ihm das Buch „Welche Argumente hat der neue Atheismus?“ Darin versucht er aufzuzeigen, dass die Kritik am christlichen Glauben – auch die von Dawkins – dann ins Leere läuft, wenn die Evolution in das Gedankengut des Glaubens mit eingearbeitet wird.

Seine Argumentation ist folgende:
„Über die Evolution lässt sich naturwissenschaftlich unendlich viel sagen. Aber nichts davon widerlegt den Gottesglauben und den Glauben an die Welt als Schöpfung Gottes …Die Naturwissenschaftler sollen ruhig hart daran arbeiten, die Phänomene der Evolution zu sichten und zu ordnen. Sie sollen uns zeigen, wie vor rund 4 – 6 Milliarden Jahren die ersten Zellen entstanden sind, also der Übergang vom Anorganischen zum Organischen, von der unbelebten Materie zu der ältesten Form von Leben …Die Naturwissenschaftler sollen uns ruhig immer genauer zeigen, wie dann aus den ältesten, noch relativ einfachen Bauformen des Lebens komplexere Organismen entstanden sind:

  • vor rund 500 Millionen Jahren die ersten Fische,
  • vor rund 400 Mill. Jahren die ersten Baumfarne,
  • vor rund 300 Mill. Jahren die ersten Kriechtiere,
  • vor rund 200 Mill. Jahren die ersten Säugetiere.

Und sie sollen uns immer detaillierter zeigen, wie sich dann vor 2-5 Millionen Jahren der Mensch langsam, unendlich langsam aus seinen tierischen Vorfahren entwickelt hat … gegen all das hat ein vernünftiger Christ heute nicht mehr das Geringste einzuwenden. Im Gegenteil: Er wird sich an der Evolution erfreuen. Er wird den unendlichen Reichtum sich bildender Formen bewundern. Er wird staunen über das Sich-Herantasten der Evolution an immer komplexere Strukturen, und er wird hinter dem Spiel von Reproduktion [= Nachbildung, Fortpflanzung], Mutation [= plötzlich auftretender Veränderung des Erbgutes] und Selektion [= Auswahl, Auslese] und der unfasslichen Fülle, die aus dem Spiel hervorgeht, nicht nur die Natur, sondern hinter der Natur Gott selbst am Werk sehen.“ (Seiten 45-47)

Wenn „ein vernünftiger Christ“ nichts gegen die Verknüpfung von Evolution und Schöpfung einzuwenden hat, sind dann alle anderen Christen unvernünftige Leute? Das müsste man aus den Worten des Professors schlussfolgern.

Lohfink führt weiter aus:
„Leider gibt es christliche Fundamentalisten, die hier aus einem falschen Bibelverständnis heraus, noch immer anderer Meinung sind. Sie lehnen die Evolutionstheorie radikal ab. Doch fügen sie dem Christentum damit schweren Schaden zu. Sie haben immer noch nicht begriffen, was es heißt, die Bibel wörtlich zu nehmen …Den Text von der Schöpfung in Genesis 1 [1. Mose 1] zum Beispiel nehmen wir nur dann wörtlich, wenn wir ihn nicht als naturhistorische Dokumentation lesen, sondern als eine hochtheologische Erzählung, die Gott als den Schöpfer Himmels und der Erde zeigen und zugleich die Institution des Sabbats von der Schöpfungsordnung her begründen will.“ (Seite 47)

Daraus spricht ein ungeheurer Dünkel, der einfach anderen vorwirft, dass sie unvernünftig sind, ein falsches Bibelverständnis haben und nicht begreifen. Der Ausdruck „Fundamentalisten“ wird als Schimpfwort verwendet. Es sind Leute, die „die Bibel schon im Grundsatz falsch“ lesen (Seite 50) und „von der Bibel nichts wissen!“ (Seite 51)

Weil man sich offenbar darauf geeinigt hat, dass die ersten Kapitel der Bibel nicht Tatsachen berichten, sondern es sich um erfundene Erzählungen handle, können sie demnach nichts anderes sein als ein nachträglicher Versuch, Gott als Schöpfer der Welt und des Sabbats hinzustellen.

Auf seine Weise folgerichtig, schreibt Gerhard Lohfink, dass Gott die Pflanzen und Tiere nicht unmittelbar erschuf (Seite 51), dass Gott durch die Evolution als Spitze dann den Menschen hervorgebracht habe (Seite 52) und dass Gott die Evolution auf Jesus und seinen Ethos der Gottesherrschaft hinsteuern ließ (Seite 71), was immer das Letztere auch bedeuten mag.

Und natürlich vertritt er auch die Meinung, dass „das Werden und das Vergehen, Geburt und Tod, das Fressen und Gefressenwerden“ einfach zum Lauf der Welt gehöre (Seite 75), der Mensch seine Gewaltbereitschaft von seinen tierischen Vorfahren geerbt und noch nicht ganz überwunden habe (Seite 88), weil Gott ja schließlich kein „fertiges Paradies“ zustande gebracht habe. (Seite 84)

Gegen solche Aussagen Stellung zu beziehen, fällt mir nicht schwer, weil ich mich damit in guter Gesellschaft mit den Schreibern der Bibel, speziell mit Jesus Christus selbst, befinde.
1. In der Bibel ist keine Rede von einem langen Entwicklungsvorgang.

Im Schöpfungsbericht heißt es immer wieder: „Und Gott sprach“ … „Und es geschah so.“ (1. Mose 1)

Psalm 33,6.9:
„Der Himmel ist durch das Wort des Herrn gemacht und all sein Heer durch den Hauch seines Mundes …
Denn wenn er spricht, so geschieht’s, wenn er gebietet, so steht’s da.“

Hebräer 11, 3:
„Durch den Glauben erkennen wir, dass die Welt [genau: die Welten] durch Gottes Wort geschaffen ist [sind], so dass alles, was man sieht, aus nichts geworden ist.“
Gemeint ist, dass das Sichtbare nicht aus dem entstanden ist, was man sieht.

Mit dem siebten Tage war die Schöpfung Gottes vollendet, abgeschlossen:
1. Mose 2,1.2:
„So wurden vollendet Himmel und Erde mit ihrem ganzen Heer.
Und so vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, die er machte, und ruhte am siebenten Tage von allen seinen Werken, die er gemacht hatte.“

1. Mose 5,1.2:
„An dem Tag, als Gott Adam schuf, machte er ihn Gott ähnlich. Als Mann und Frau schuf er sie, und segnete sie und gab ihnen den Namen Mensch, an dem Tag, als sie geschaffen wurden.“ (Elberfelder Übersetzung)

2. Mose 20,11:
„Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was darinnen ist und ruhte am siebenten Tage.“

Matthäus 19,4:
Er aber antwortete und sprach: Habt ihr nicht gelesen: Der am Anfang den Menschen geschaffen hat, schuf sie als Mann und Frau.“

Markus 13,19:
Hier wird gesprochen „vom Anfang der Schöpfung, die Gott geschaffen hat.“

2. Wer die Schilderung des Paradieses nur für eine fromme Erzählung hält, also sagt, dass es in Wirklichkeit nicht existierte, leugnet damit auch den Ursprung des Bösen durch Satan, die Ursache des Todes und die Notwendigkeit der Erlösung.

Der Tod ist Folge der Sünde und nicht ein von Gott eingesetztes Mittel, um die Evolution voranzubringen:

1. Mose 2,16.17:
„Und Gott der Herr gebot dem Menschen und sprach: Du darfst essen von allen Bäumen im Garten, aber von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen sollst du nicht essen; denn an dem Tage, da du von ihm isst, musst du des Todes sterben.“

Römer 5,12; 6,23:
„Deshalb, wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist [eine deutliche Bezugnahme auf den Sündenfall im Paradies] und der Tod durch die Sünde, so ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt haben … Der Tod ist der Sünde Sold …“

Wenn Gott Adam nicht geschaffen hätte, könnte er auch nicht in Beziehung zu Christus, dem „letzten Adam“ (1. Korinther 15,45), gesetzt werden.

Römer 5,14.17-19:
„Dennoch herrschte der Tod von Adam an bis Mose auch über die, die nicht gesündigt hatten durch die gleiche Übertretung wie Adam, welcher ist ein Bild dessen, der kommen sollte …
Denn wenn wegen der Sünde des Einen der Tod geherrscht hat durch den Einen, um wie viel mehr werden die, welche die Fülle der Gnade und der Gabe der Gerechtigkeit empfangen, herrschen im Leben durch den Einen, Jesus Christus. Wie nun durch die Sünde des Einen die Verdammnis über alle Menschen gekommen ist, so ist auch durch die Gerechtigkeit des Einen für alle Menschen die Rechtfertigung gekommen, die zum Leben führt. Denn wie durch den Ungehorsam des einen Menschen die Vielen zu Sündern geworden sind, so werden auch durch den Gehorsam des Einen die Vielen zu Gerechten.“

1. Korinther 15,20.21:
„Denn da durch einen Menschen der Tod gekommen ist, so kommt auch durch einen Menschen die Auferstehung der Toten. Denn wie sie in Adam alle sterben, so werden sie in Christus alle lebendig gemacht werden.“

Laut der Evolution geht man einer vagen Zukunft entgegen, die Erlösung durch Christus hingegen hat einen neuen Himmel und eine neue Erde zum Ziel, in der alle Folgen der Sünde beseitigt sein werden.

Offenbarung 21,1-5:
„Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde sind vergangen, und das Meer ist nicht mehr. Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, von Gott aus dem Himmel herabkommen, bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann. Und ich hörte eine große Stimme von dem Thron her, die sprach: Siehe da, die Hütte Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein; und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen. Und der auf dem Thron saß, sprach: Siehe, ich mache alles neu! Und er spricht: Schreibe, denn diese Worte sind wahrhaftig und gewiss!“

Gerhard Lohfink behauptet: „Die Evolution kann dem gläubigen Christen sogar zum Zeichen werden für die Herrlichkeit Gottes und vor allem auch dafür, dass alle Schöpfung ein Ziel hat.“ (Seite 53)

Doch es muss gefragt werden, wie denn Gottes Herrlichkeit sichtbar werden soll, wenn man fundamentale Aussagen der Bibel beiseite schiebt oder nach der Mode der Zeit umdeutet. Und: Was für einem Ziel geht denn die Evolution entgegen? Das weiß uns keiner ihrer Anhänger zu sagen.

So schreibt Lohfink: „Wie der Atheist betrachtet auch der Christ den Menschen sehr nüchtern: entstanden aus dem Staub von Sternen, hochentwickelt aus dicht behaarten Säugetieren, die – in den Zeiträumen der Evolution gemessen – erst vor kurzem von den Bäumen herabgestiegen sind. Immer noch halb Tier, immer noch in der Gefahr, alles ihm Fremde zu hassen und hinzumetzeln.“ (Seite 128)

Am Schluss des Buches heißt es: „Der wirklich gefährliche Feind des Glaubens ist deshalb nicht der Atheismus, sondern die Gleichgültigkeit, die Lauheit, die Denkfaulheit, die Arroganz …“ Dem kann man z. T. zustimmen. Aber jemandem Denkfaulheit vorzuwerfen, weil er nicht mit den eigenen Ansichten übereinstimmt, ist mehr als problematisch.

Der wirklich gefährliche Feind des Glaubens ist Satan, für den in der Evolution natürlich kein Platz ist und außerdem dann auch der Mensch, der „die Weisheit dieser Welt“ (1. Korinther 2,6) als letzten Maßstab betrachtet.

Die Evolution, ob mit oder ohne Gott, verachtet das von Gott offenbarte Wort in der Heiligen Schrift und degradiert den Schöpfer und den Menschen. Was soll daran anziehend sein? Vertreter der materialistischen Evolution sind nicht zimperlich, wenn es darum geht, den biblischen Glauben in Misskredit zu bringen. Die Vertreter der sogenannten theistischen Evolution stehen ihnen aber leider kaum nach.

Abschließend möchte ich noch zwei Bibelstellen aus Offenbarung 14,7; 4,11 anführen:
„Fürchtet Gott und gebt ihm die Ehre; denn die Zeit seines Gerichts ist gekommen! Und betet an den, der gemacht hat Himmel und Erde und Meer und die Wasserquellen.“
„Herr, unser Gott, du bist würdig, zu nehmen Preis und Ehre und Kraft; denn du hast alle Dinge geschaffen, und durch deinen Willen waren sie und wurden sie geschaffen.“
© Josef Butscher

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