10. Februar 2012

Schöpfung: Warum Zahlengenauigkeit noch keinen genauen Glauben gibt

Von Dr. Matthias Dorn

Da ist es also wieder, das alte, leidige Problem um die Zahlen im Schöpfungsbericht der Genesis. Wie geht man in der modernen Welt mit dieser Frage um?

Diejenigen, die es schon immer ganz genau haben wissen wollen, deren Uhren stets richtig gehen und die auch wissen, was rechter oder genauer Glaube ist, haben eine alte Frage aufs Tapet gebracht, an der sich die Geister so richtig scheiden können. Sind die Tage in Genesis 1 kalendarische Tage oder andere, längere, vielleicht sogar äonenhafte Zeiträume?

Wenn im Hebräischen das Wort für Tag jom mit einem Zahlwort versehen steht, ist der kalendarische Tag gemeint. Und auch die Formulierung in Genesis 1, dass „aus Abend und Morgen der x-te Tag ward“, deutet auf diese Festlegung hin. Und schließlich ist der Sabbat das allerdeutlichste Dokument, dass der Tag der Erinnerung an die Schöpfung Gottes wirklich als Tag zu verstehen ist. Im Übrigen ist es auch unter den versierten historisch-kritischen Theologen anerkannt, dass die Schreiber der Genesis natürlich an einen Tag in unserem Sinne dachten. Das heißt aber noch lange nicht, dass die historisch-kritischen Theologen deshalb von einer jungen Erde oder einer Schöpfungswoche, womöglich noch mit wirklichkeitsgestaltendem Bezug, sprechen.

Was ist mit dieser Antwort nun gewonnen? Vermeintliche Besserwisser glauben nun, einen Hebel in der Hand zu haben und meinen sagen zu können, dass nur derjenige, der auch wirklich genau das glaubt, im vermeintlichen Sinne „recht“, vielleicht sollte man hier sagen, „genau“ glaubt. Wer nicht glaubt, dass die sieben Tage echte, kalendarische Tage seien, der glaubt nicht „richtig“ an die Schöpfung.

Wenn der „rechte“ Glauben an die Schöpfung von der Länge der Tage abhängt, dann wird ein spezielles Problem, das noch nicht einmal das zentrale ist, überbetont und der Blick auf das Wesentliche der Schöpfung aus den Augen verloren. Die Schöpfung widerspiegelt Gottes Wesen: Überbordend, herrlich, üppig, verschwenderisch, filigran, superhightech, majestätisch, bezaubernd, zärtlich, kraftvoll, elegant, souverän, stolz, erhaben. Und auch da, wo die Schöpfung den Einbruch des Bösen dokumentiert, merkt man die Hand des Schöpfers: Die tötenden Tiere sind nicht minder schön als die gejagten, die ganze Schöpfung mit ihren Nahrungsketten und –netzen dokumentiert in beeindruckender Weise, dass Gott aus einer paradiesischen, herrlichen Schöpfung eine nicht-mehr-paradiesische hat schaffen wollen und können, die wir dennoch bewundern. Gott hat die Schöpfung nach dem Einbruch des Bösen nicht sich selbst (oder jemand noch ganz anderem!) überlassen, sondern hat erneut die Welt so gestaltet, dass sie immer noch schön ist. Nichts könnte falscher sein als zu meinen, die majestätischen Löwen und alle anderen Raubtiere seien nicht dem göttlichen Plan entsprungen. Nur Gott allein kann Leben schaffen! Das ist die zentrale Botschaft von Genesis 1 – und dafür verdient Gott unser allerhöchstes Lob bis in alle Ewigkeit!

Wie klug war Salomo, als er im Prediger 3,11 schrieb, dass Gott alles gut (sprich: schön) gemacht hat – alles!
Und wir Menschen erfahren die Zuweisung unserer Würde durch den Gottesbezug. Die Gottebenbildlichkeit, die sich übrigens auch deutlich auf die Körperlichkeit des Menschen ausrichtet, ist das unabweisbare Kapital, mit dem wir wuchern dürfen. Respekt, Liebe und Wahrhaftigkeit sind dann die Grundlagen des menschlichen Miteinanders. Zumindest hat sich Gott das so vorgestellt. Dass wir das nicht selten in ein grauenhaftes Gegenteil umkehren, ist eine andere, leider nicht minder bittere Wahrheit.

Die Herrlichkeit der Schöpfung dokumentiert die Herrlichkeit des Schöpfers! Das ist der zentrale Satz.

Und wer jetzt noch meint, er sei mit der 24-Stunden-Definition der Genesistage auf der sicheren Seite der Rechtgläubigkeit, dem sei gesagt, dass er eine Formalie vielleicht beachtet, aber das Wesen der Schöpfung dabei aus den Augen verliert. Recht haben heißt noch lange nicht recht zu glauben!

In einem ganz anderen Zusammenhang hat der Fürst der Mathematik, Karl Friedrich Gauß, einmal gesagt: „In nichts dokumentiert sich mathematische Unfähigkeit so sehr, wie in übertriebener Zahlenpedanterie.“ Offensichtlich gilt das auch in anderen Wissenschaften…

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  1. [...] einem Kommentar zu meiner letzten Kolumne wurde zu Recht darauf verwiesen, dass die Tage im Laufe der Erdgeschichte länger wurden, was [...]

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