10. Februar 2012

Eine Reaktion zu “Schöpfung: Warum Zahlengenauigkeit noch keinen genauen Glauben gibt”

Pastor Josef Butscher

1.
Richtig, wer nur auf Zahlengenauigkeit seinen Glauben stützen würde, wäre arm dran. Wer aber die Zeitangaben der Bibel nicht bezweifelt, hat sich dafür nicht zu entschuldigen. Matthias Dorn meint, dass man die Zahlen im Schöpfungsbericht im Lichte „der modernen Welt“ zu deuten habe. Dieser Ansatzpunkt ist schon in sich problematisch. Biblische Theologie deutet nicht vom Verständnis der Gegenwart aus, sondern versucht die Gedanken der Bibel zu erkunden, um sie dann für heute nutzbar zu machen. Jede gute Predigt lebt davon.

2.
Der Verfasser wendet sich gegen „vermeintliche Besserwisser“, womit er offenbar jeden meint, der nicht so denkt und glaubt wie er. Das ist weder wissenschaftlich noch christlich. Die von ihm mit Recht eingeforderten Tugenden „Respekt, Liebe und Wahrhaftigkeit“ bleiben dabei auf der Strecke.

3.
Denjenigen, die an „der 24 – Stunden – Definition der Genesistage“ (das 1. Buch Mose wird auch Genesis genannt) festhalten, wirft er vor, dass sie das Wesen der Schöpfung aus den Augen verlieren. Die hier vorgenommene Sichtweise ist nichts anderes als eine Unterstellung, die jeglicher Logik entbehrt, denn aus der ersten Überzeugung folgt nicht zwangsläufig das von ihm vermutete Missverständnis über Gottes Schöpfungswerk.

4.
Dorn weist korrekt darauf hin, dass die Zeitangaben in 1. Mose 1 tatsächliche Tage von 24 Stunden angeben. Und warum belässt er es dann nicht dabei? Warum eine Attacke gegen die, die schlicht glauben, was in der Bibel steht? Es gibt wahrhaftig keinen Grund, in unserer modernen Welt eine andere Interpretation vorzunehmen! Gewiss wird von manchen historisch-kritischen Theologen das Faktum der in der Bibel aufgezeichneten Sechs -Tage – Schöpfung nicht bestritten. Aber was machen sie dann daraus? Sie betreiben Pseudomorphose. Dieser Ausdruck besagt, „dass Begriffe ihres ursprünglichen Sinnes entleert und mit einem neuen Inhalt gefüllt werden, der mit dem ursprünglichen nicht viel mehr als nur den Namen gemein hat.“ (Eta Linnemann, Original oder Fälschung, Historischkritische Theologie im Licht der Bibel, Christliche Literaturverbreitung, 3. Auflage 2006, Seite 29) Diese raffinierte Methode ist für den ungeschulten Leser schwer zu durchschauen. Damit entpuppen sich solche Lehrer als Handlanger des babylonischen Systems: Sie betreiben Sprachenverwirrung, doch versprechen, die Pforte zu Gott zu öffnen. Fast jede Vokabel der Bibel erhält bei den Theologen, die mit der historisch-kritischen Methode arbeiten, unter der Hand eine andere Bedeutung. So benutzen z. B. auch die Anhänger der theistischen Evolution das Wort Schöpfung, sind aber weit davon entfernt, dies auf die eine in der Bibel genannte Woche des Schöpfungsaktes zu beziehen. Manche verwenden auch das Wort Paradies, deuten es dann aber z. B. auf einen erdachten schönen Zustand in der Vergangenheit oder auf einen in der Vorstellung befindlichen Gedanken, der irgendwann zur Erfüllung kommen mag. (Wenn vielleicht die Evolution ihr Ziel erreicht haben sollte?) Wie verhält es sich mit dem in der Bibel erwähnten Sündenfall, seiner Ursache und der von Gott verhängten Strafe, dem Tod? Auch da kommt man ohne Umdeutungen, bis hin zum Leugnen und Lächerlichmachen dieser „Mythen“ nicht aus.

5.
Zum Kern der Anmerkungen von Matthias Dorn. Er sagt, dass „die Schöpfung den Einbruch des Bösen dokumentiert.“ Was meint er denn mit dem schön-schwammigen, philosophischen Begriff „Einbruch des Bösen“? Verbirgt sich dahinter sein Verständnis vom Sündenfall? Welches? Ist der biblische Bericht vom Sündenfall nur eine vor langer Zeit angenommene Noterklärung, um eine Antwort auf die Zerrissenheiten der Welt zu geben? Haben sich die alten Glaubenszeugen das nur so vorgestellt oder handelt es sich um ein wirkliches Geschehen? Kein Satz von Satan, dem Verursacher aller Übel. Stattdessen wird da (mehrdeutig) Gott ins Spiel gebracht. Im „Einbruch des Bösen … merkt man die Hand des Schöpfers.“ Was soll das konkret heißen? Und dann: „Gott“ hat „aus einer paradiesischen, herrlichen Schöpfung eine nicht mehr paradiesische … schaffen wollen und können.“ Und was hat er geschaffen? Wie sah seine paradiesische Schöpfung aus und wie die nach „dem Einbruch des Bösen“? Ist das bei Dorn ein Vorgang oder sind es zwei nacheinander? Das ist alles reichlich konfus niedergeschrieben und bedarf einer genaueren Definition. Vielleicht ist sie noch zu erwarten. Nur klare Ausdrucksweisen geben eine gute Auskunft über das Geglaubte oder zu Glaubende. Das sind die Vor-Denker den Nach-Denkern schuldig. Soweit zu den Darlegungen von M. Dorn.

6.
Abschließend ein Zitat, von dem britischen Biochemiker und Theologen Arthur Peacocke (1924 – 2006), der damit deutlich Flagge zeigt, auch wenn es mir persönlich lieber gewesen wäre, er hätte sie unbenutzt in irgendeinem Schrank verrotten lassen: “Der biologische Tod kann nicht mehr als Konsequenz dessen betrachtet werden, was Menschen angeblich in der Vergangenheit getan haben, denn die Geschichte der Evolution zeigt, dass der Tod das Mittel ist, durch das Menschen entstehen … Die traditionelle Interpretation von 1. Mose 3, dass nämlich ein historischer Sündenfall stattgefunden hat, eine Handlung unserer Vorfahren, durch die der biologische Tod erklärt werden kann, muss verworfen werden … Es gab kein goldenes Zeitalter, keine vollkommene Vergangenheit, keine Individuen Adam und Eva, von denen alle Menschen abstammen … und die in ihren Beziehungen und ihrem Verhalten vollkommen waren.” (Arthur Peacocke, Theology for a Scientific Age: Being and Becoming-Natural, Divine and Human, Oxford: Blackwell 1993, 222-223; deutsche Übersetzung von Dr. Dr. Ekkehardt Müller) Die Folge solcher Behauptungen ist, dass von nicht wenigen Theologen auch Jesu Sühnetod für unsere Sünden geleugnet wird. Du bist erschrocken über das Zitat? Es gibt noch weit schlimmere von Menschen, die sich Theologen nennen. Ich möchte nicht in ihrer Haut stecken. Gott lässt eine Verfälschung der Wahrheit nicht kalt. Er wird jeden Irrlehrer, auch wenn er noch so wortgewandt und hochtrabend daherkommt, vor Gericht ziehen. „Sollte Gott gesagt haben?“ Die historisch-kritischen Theologen antworten im Chor mit den Worten der Schlange, z. B. die ersten Kapitel der Bibel betreffend: „Glaube nur das nicht. Was da in der Bibel steht, ist doch durch so viele Hände gegangen und irgendein Redakteur, hat sich dann bemüht, eine Endfassung herauszubringen; etwas, was vielleicht damals tatsächlich geglaubt wurde oder vielleicht auch nicht; auf jeden Fall ist es für uns nicht mehr verbindlich.“ 1. Petrus 1,20 sagt genau das Gegenteil: „Und das sollt ihr vor allem wissen, dass keine Weissagung in der Schrift eine Sache eigener Auslegung ist.“ – Ich bin mir sicher: Ein „aufgeklärter“ Zeitgenosse wird mir milde lächelnd Naivität vorwerfen. Was soll’s. Ich lächle fröhlich zurück. Denn ich lese in der Schrift: „Da sie sich für weise hielten, sind sie zu Narren geworden.“ (Römer 1,22)

Josef Butscher

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