Friday, July 30, 2010

Führen als konservativer Revolutionär

Januar 27, 2009 von Martin Haase  
Gespeichert unter Editorial

martinhaaseDie Amtseinführung des 44. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika war eine Mixtur aus Show und Worship. Vor zwei Millionen begeisterten Amerikanern und vor der globalen Medienklientel inszenierte die Weltmacht den Stabswechsel an Barack Obama, 47 Jahre alt, Afroamerikaner und Künstler der politischen Rhetorik. Während die Welt sich noch den Kopf zerbricht über diesen Mann, der Werte schätzt und dennoch keine Angst vor radikalen Veränderungen hat, folgen den schon jetzt historisch genannten Reden in einem atemberaubenden Tempo erste Taten.

Als eine seiner ersten Handlungen bricht Präsident Obama mit der Geheimniskrämerei seiner Vorgänger: „Sie [Informationen] werden nur dann zurückgehalten, wenn eine eigenständige Autorität zu der Auffassung kommt, dass mein Wunsch nach Geheimhaltung mit der Verfassung konform ist.“ Transparenz in Führungsverantwortung schlägt Brücken und schafft Vertrauen. Wer so handelt kann seinem Volk auch Durststrecken abverlangen und erwarten, dass die Gürtel in Krisenzeiten enger geschnallt werden.

Neu auch die Töne zum Friedensprozess im Mittleren Osten. Seinem vier Tage nach Amtsantritt ernannten Sonderbotschafter George Mitchell gab er folgenden Rat mit auf den Weg: „Fang mit Zuhören an, denn all zu oft haben die Vereinigten Staaten in der Vergangenheit etwas diktiert, ohne alle Fakten zu kennen. Also lasst uns zuhören.“ Zuhören, transparent handeln, motivieren, – fast könnte man meinen, den begeisterten Absolventen eines Führungstrainings vor sich zu haben.

Während der Globus unter der Wirtschafts- und Finanzkrise ächzt uns leidet, geht Obama über die weltweit anlaufenden Konjunkturförderungsprogramme weit hinaus: Er investiert seine eigene Persönlichkeit und damit ein mit Gold nicht aufzuwiegendes Kapital. Das kostet Kraft und zehrt auf. Und dennoch ist das Einbringen der eigenen Person der glaubwürdigste Führungsstil, vorbildlich, nachahmenswert und in unseren Landen selten gesehen.

Der Präsident und seine Frau Michelle verkörpern unverbrauchte und authentische Führungskompetenz, wie sie der Sehnsucht des Normalbürgers entspricht. Der jungenhaft wirkende Obama agiert bestimmt und weise. Er umgibt sich mit erfahrenen Beratern aus dem eigenen und gegnerischen Lager und macht sich damit über jedes politisches Geplänkel erhaben. Die Erwartungen sind groß an den 44. US-Präsidenten und sein Team. Es bleibt zu wünschen, dass dem Hoffnungsträger Obama ein Straucheln oder gar Scheitern erspart bleibt.

Martin Haase

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