Neue Genfer Übersetzung à la Hemingway
20. August 2009
Sie ist ein Notizbuch fürs Leben. Eine Lektüre für jede Lage. Die Bibel, Weltbestseller und Heilige Schrift, erscheint im Herbst in neuer Sprache und hochwertigem Design. Die „Neue Genfer Übersetzung“ (NGÜ) wird auf der Frankfurter Buchmesse erstmals als Gesamtausgabe des Neuen Testamentes präsentiert. Bisher gab es von der NGÜ nur Einzelhefte und Teilausgaben mit Evangelien und Briefen. Die NGÜ gilt nicht nur unter Fachleuten als eine der besten Übersetzungen des Neuen Testamentes ins Deutsche.
Die NGÜ ist sprachlich herausragend und hebt sich auch äußerlich von anderen Bibelausgaben ab. Sie erscheint im „Reisebegleiter-Look“, angelehnt an die bekannten Notizbücher, mit denen Hemingway um die Welt reiste, und die heute bei Kreativen und Designliebhabern beliebt sind. Der Einband in klassischem Schwarz wird von einem textilen Gummiband zusammengehalten. Lesebändchen, Blankoseiten für eigene Notizen und eine Falttasche, in der Zettel und Briefe aufbewahrt werden können, machen die NGÜ zum individuellen Gebrauchsbuch.
Die handliche Aufmachung ist gewollt. „Die NGÜ soll ein täglicher Begleiter sein, kein Staubfänger“, sagt Eva Jung, die als freie Texterin und Art Direktorin die Ausgabe gestaltet hat. „Die Bibel liest man nicht nur einmal. Sie ist ein Buch, mit dem man lebt. Sie ist Ratgeber, Inspiration, Sinnstifter, Orientierung, ein Buch, mit dem man niemals fertig wird.“
„Die Bibel ist ein herausfordernder Stoff. Sie wird zu jeder Zeit anders verstanden und neu interpretiert. Deshalb sind aktuelle Übersetzungen so wichtig“, sagt Stefan Waldmann, Geschäftsführer der Genfer Bibelgesellschaft und Herausgeber der NGÜ. Die „Neue Genfer Übersetzung“ zeichnet sich durch besondere Treue zum Originaltext und eine leicht verständliche Sprache aus. 15 Jahre haben Theologen daran gearbeitet.
Humorvoll-provokante Texte auf den bunten Banderolen der Ausgabe sollen Christen und Nichtchristen Appetit machen, das Neue Testament neu zu entdecken, erklärt Stefan Waldmann. – Texte wie dieser: „Sie suchen nach einem geeigneten Notizbuch für Ihre Gedanken über das Leben? Wie wär’s mit diesem: Ganz hinten haben wir einige weiße Blätter für Sie vorgesehen. Verstehen Sie den Rest einfach als Gedankenanregung.“
Die NGÜ ist für eine breite Zielgruppe gedacht. Das offenbart ein weiterer Banderolen-Text: „Dieses Buch eignet sich perfekt für folgende Anlässe: Taufe, Firmung, Konfirmation, Hochzeit, Feierabend, Urlaub, Wochenende, Zugfahrt, Mittagspause, Entspannungsbad…“ Sie spricht in Design und Sprache Bibelfreunde und Bibelskeptiker an. Und trifft mit den Banderolen den Ton postmoderner Sinnsucher: „Falls Sie hoffen, dieses Buch könne Ihnen alle Fragen beantworten, müssen wir Sie leider enttäuschen. Es fördert allenfalls noch mehr Fragen zu Tage. Wenn Sie damit klar kommen, können wir Ihnen die Lektüre durchaus empfehlen.“
Die NGÜ ist ein Kooperationsprojekt der Genfer Bibelgesellschaft und der Deutschen Bibelgesellschaft. Verkaufsstart: 31.10.2009 in Deutschland (12,90 Euro), Österreich (13,30 Euro), Schweiz (19,90 sFr).
Erstmals das griechische Alte Testament in deutscher Übersetzung
30. Januar 2009
Legenden sind hartnäckig. So wird erzählt, dass im antiken Alexandria 72 jüdische Gelehrte die hebräische Bibel in 72 Tagen auf wundersame Weise gleichlautend ins Griechische übersetzt hätten. Bis heute erinnert der Name “Septuaginta” (das bedeutet: “siebzig”) an diese Legende. Die altgriechische Übersetzung des hebräischen Alten Testaments entstand um das Jahr 250 v. Chr. Sie ist die älteste bekannte Bibelübersetzung überhaupt.
Für das hellenistische Judentum und die Christen der ersten Jahrhunderte war die Septuaginta die Bibel, die sie in der Regel benutzten. Eine Reihe von theologischen Aussagen, so auch die von der Geburt Jesu durch eine Jungfrau (Matthäus 1,23), sind nur verständlich, wenn man die griechische Version des Alten Testaments kennt. Zudem ist die Septuaginta bis heute die Heilige Schrift der Orthodoxen Kirchen.
Trotzdem wurde sie bislang noch nie ins Deutsche übersetzt. Die Lutherbibel und alle ihre Nachfolger bis zur vieldiskutierten „Bibel in gerechter Sprache” hielten sich maßgeblich an den hebräischen Text. Das hebräische Alte Testament bildet die Grundlage der Verständigung von Christentum und Judentum. Dennoch sollte nicht übersehen werden, dass die Übersetzung der Schriften Israels ins Griechische ebenfalls im antiken Judentum entstand.
Bei der Deutschen Bibelgesellschaft, Stuttgart, erschien jetzt die erste deutsche Übersetzung der Septuaginta. Sie trägt den Titel “Septuaginta Deutsch” und ist damit nicht mehr nur Fachleuten vorbehalten, sondern einem breiten deutschsprachigen Publikum zugänglich. An dem Übersetzungsprojekt, das seit 1999 von einer eigenen Arbeitsstelle koordiniert wurde, waren zeitweise bis zu 80 Personen beteiligt. Zu den Übersetzern gehörten evangelische, katholische und orthodoxe Christen, die ihre Übersetzungsfragen auch mit jüdischen Gelehrten diskutierten. So entstand ein die christlichen Konfessionen untereinander und mit dem Judentum verbindendes Projekt. Den in Deutschland lebenden orthodoxen Christen steht erstmals eine Ausgabe ihres Alten Testaments in deutscher Sprache zur Verfügung. Der “Septuaginta Deusch”, die immerhin 1.500 Seiten umfasst, soll ein Doppelband mit wissenschaftlichen Erläuterungen zur griechischen Bibel folgen.
Bei der Vorstellung der “Septuaginta Deutsch” in Berlin betonte der evangelische Landesbischof Dr. Johannes Friedrich (München), dass mit der Übersetzung des griechischen Alten Testaments ins Deutsche es allen Interessierten möglich sei, “jüdische Dokumente aus der Zeit um die Geburt Jesu herum kennenzulernen, die für das beginnende Christentum von hoher Bedeutung waren”. Der Griechisch-Orthodoxe Metropolit von Deutschland und Exarch von Zentraleuropa, Augoustionos (Bonn), hob hervor, dass die Septuaginta der Text des Alten Testaments gewesen sei, den Jesus und die Apostel benutzt hätten. Durch die nun vorliegende deutsche Übersetzung könnten hier lebende orthodoxe Christen einen neuen Zugang zur Heiligen Schrift ihrer Kirche gewinnen.
Bischof Dr. Joachim Wanke (Erfurt), Vorsitzender der Pastoralkommission der römisch-katholischen Deutschen Bischofskonferenz sprach von einer “großen Übersetzungsleistung”. Er forderte auf, darüber nachzudenken, wie die Septuaginta in den Unterricht und das theologische sowie geisteswissenschaftliche Studium eingeführt werden könnte. Der Generalsekretär der Deutschen Bibelgesellschaft, Dr. Jan-A. Bühner (Stuttgart), erinnerte daran, dass es in seinem Haus eine Tradition in der Herausgabe wissenschaftlicher Bibelausgaben gebe. So sei bereits 1898 das griechische Neue Testament erschienen. Später wären als Urtextausgaben das Alte Testament in Hebräisch, die griechische Septuaginta und die Vulgata, die lateinische Übersetzung der Bibel, gefolgt. “Mit der Septuaginta Deutsch kam eine weitere schöne Perle hinzu.”
“Ohne die großzügige Förderung vor allem der Evangelischen Kirche im Rheinland und der Deutschen Bibelgesellschaft hätten wir die Übersetzung nie abschließen können”, betonte Professor Wolfgang Kraus (Saarbrücken), einer der beiden Hauptherausgeber. (APD)





