Evolutionismus als wissenschaftlicher Fundamentalismus
9. Oktober 2007
Ein Kommentar von Dr. Matthias Dorn zur Entscheidung des Europarates, den Mitgliedsstaaten zu empfehlen, den Kreationismus aus den Schulen zu verbannen.
Mit seiner Empfehlung, den Kreationismus aus den Lehranstalten zu verbannen, hat der Europarat eine ebenso gewagte wie riskante Stellungnahme abgegeben. Es gibt natürlich Ausprägungen des Kreationismus, die weder wissenschaftlich geprägt sind noch Gott die Ehre geben, sondern eher eine weitere Speerspitze im Waffenarsenal der religiösen Rechten und der National-Konservativen darstellen. Das gilt insbesondere für den fundamentalistischen Kreationismus in den USA.
Aber es gibt in den USA und in Europa eine nicht geringe Anzahl an zu selbständigem Denken erzogenen Zeitgenossen, die sich ehrlich bemühen, wissenschaftlich korrekt und seriös zu argumentieren – und zu arbeiten – und dabei doch ernstzunehmend zu glauben. Das sind weder Rechte, Fundamentalisten oder Konservativisten, das sind jene, die sich erlauben, nicht in die Falle des evolutionistischen Theorienmonismus zu tappen.
Ist der Evolutionismus so unangreifbar, dass er jede Alternative suspendieren darf? Ist der Europarat so gebildet und über die Chancen und Grenzen evolutionistischer Argumentation so gut aufgeklärt, dass er im Namen von Demokratie und Recht andere Denkstrukturen als den Evolutionismus dem Tabu empfehlen darf?
Es gibt gute Gründe, der Evolutionstheorie eine nicht geringe erklärerische Kraft zuzusprechen. Es gibt aber auch genauso gute Gründe, ihr auf Grund explanatorischer Defizite, die in einigen Bereichen nicht unerheblich sind, ebenso kritisch gegenüber zu stehen. Trotz aller medialen Einseitigkeit: Die Evolutionstheorie ist nicht so gesichert, wie es andere naturwissenschaftliche Fundamentaltheorien sind.
Und so ist die Ideologisierung der Evolutionstheorie zum Evolutionismus nichts weiter als ein Missbrauch einer wissenschaftlichen Theorie. Und es ist noch mehr: Es stigmatisiert im Mantel angeblicher Wissenschaftlichkeit den wahren Motor allen wissenschaftlichen Fortschritts: den methodisch gekonnten Widerspruch. Nur, wenn Theorien kritisierbar bleiben, können sie entwickelt werden, Theorien, die als unantastbar gelten, verkommen zum Dogma und bilden den Nährboden des Fundamentalismus.
Der Europarat war nicht gut beraten, sich zu der Empfehlung durchzuringen, den Kreationismus zu stigmatisieren. Nun werden die mit Kompetenz und Ideenreichtum anders und alternativ Denkenden der Diffamierung preisgegeben – etwas, das sowohl in Deutschland als auch in der Geschichte des ganzen christlichen Abendlandes noch nie etwas Gutes hervorgebracht hat.
Man muss wachsam sein – Caute!, riet einst Spinoza, und er wusste, wovon er sprach.
Dr. Matthias Dorn
Dr. phil. Dr. rer. nat Matthias Dorn, Jahrgang 1954, ist Geologe und arbeitet am Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie in Hannover. Er ist dort nach längerer Tätigkeit im Bereich Hydrogeologie nunmehr für den Internetauftritt wesentlich mitverantwortlich. Unter anderem arbeitete er lange Zeit in Thailand, außerdem hat er mit einer Arbeit über Galileo Galilei bei Prof. Vossenkuhl in Philosophie promoviert. Er ist bekennender Christ und Mitglied der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten. Dr. Dorn ist verheiratet und hat zwei Kinder.
(Quelle: EANN Dr. Dr. Matthias Dorn)





